Seit Jahren flackern zwischen den arabischen Staaten Nord- and Südjemen Grenzstreitigkeiten auf. Dabei geht es allerdings weniger um Territorien als um Ideologie.

Trotz einer zwischen den streitenden Parteien vereinbarten Waffenruhe halten die Kämpfe zwischen der westlich orientierten Republik Jemen (Nordjemen) und der marxistischen Volksrepublik Jemen (Südjemen) an. Eine sofort nach Kuwait einberufene Außenministerkonferenz der arabischen Liga versucht nun, den Grenzstreit zu schlichten. In einer Zehn-Punkte-Resolution fordern die neunzehn Mitgliedsstaaten der Organisation und ein Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) die sofortige Einstellung der Kämpfe. Die Resolution enthält weiter die Forderung nach Öffnung der Grenzen zwischen den Nachbarländern und eine Normalisierung ihrer Handelsbeziehungen. Ein Liga-Militärkomitee soll darüber wachen, daß diese Punkte von den feindlichen Brüdern auch eingehalten werden.

An dem vor drei Wochen ausgebrochenen Grenzkrieg schieben sich Nord und Süd gegenseitig die Schuld zu. Das Politbüromitglied der Süd jemenitischen Einheitspartei, Abdel Wavli, bestritt eine kriegerische Verwicklung seines Landes mit Nordjemen. Der Konflikt, sei eine innere Angelegenheit des Nordens, wo sich die oppositionellen „Volksmassen“ unter Führung der Nationaldemokratischen Front in einem Aufstand gegen die illegale Regierung befänden.

Umgekehrt behauptet Nordjemen, daß die Truppen des marxistischen Nachbarn nicht nur ins Land einmarschiert seien, sondern auch von kubanischen und äthiopischen Soldaten Schützenhilfe erhielten.

Die Kämpfe im Jemen haben andere Golfanrainerstaaten in Alarm versetzt. Saudi-Arabien verhängte für seine Soldaten eine Ausgangssperre. Das Sultanat Oman befürchtet ein verstärktes Einsickern südjemenitischer Revolutionäre. Südjemen gilt als treuester Verbündeter der Sowjetunion in der Golfregion. Die Sowjets schickten 1500 Militärberater ins Land. Etwa 3000 kubanische Instrukteure drillen die 55 000 Mann starken Milizen der marxistischen Partei. Der Sowjetische Geheimdienst KGB sorgt im Südjemen mit etwa 500 DDR-Polizisten für die Verteidigung der „reinen Lehre“.