Der Pariser Kurier, die zweisprachige deutsche Zeitung, die alle vierzehn Tage erscheint, hat das Zweite Deutsche Fernsehen kritisiert, und man muß diese Kritik hervorheben, weil sie von Leuten kommt, die etwas von der Sache verstehen. Es geht um ein Interview, das Bundeskanzler Helmut Schmidt in Paris vor der Kamera des ZDF gegeben hat.

Vorab dies: Helmut Schmidt ließ sich von Franzosen ausfragen. Couragiert, wie er ist, fürchtet er keine Frage. Aber was mehr ist: er blieb auch in Momenten, wo etwas hätte „quergehen“ können, ein Mann von vollendeter Höflichkeit. Die Höflichkeit war auf beiden Seiten. Offensichtlich kennt er Frankreich und die Franzosen mittlerweile sehr gut. Er weiß, daß man heute in keinem Lande uns Deutschen so unvoreingenommen, ja freundschaftlich entgegenkommt wie in Frankreich. Er hat den rechten Ton getroffen. Es war ein sehr gutes Interview. (Als Deutscher, der in Frankreich lebt oder zwischen Deutschland und Frankreich hin und her lebt, habe ich deshalb besonderen Grund, dankbar zu sein.)

Was war also der Fehler?

Die französischen Partner vor dem Mikrophon stammten aus grenznahen Gebieten, waren Menschen auf „besseren Posten“, waren Professoren und Intellektuelle. „Ist es schwer, in Frankreich einen Arbeiter zu finden, der deutsch spricht?“, fragt der Pariser Kurier. (Er hätte sicherlich welche nennen können.)

Das Interview mit dem deutschen Kanzler fand in deutscher Sprache statt. Schmidt bedauerte es übrigens selbst, nicht französisch zu sprechen, während Giscard d’Estaing mit dem Deutschen vertraut sei. (Ihre Unterhaltungen gehen durchweg auf englisch vor sich.)

Daß man sich auf die deutsche Sprache beschränkte, hat einen einfachen Grund: die Verantwortlichen des Fernsehens denken an ihr deutsches Publikum. Alles geht reibungslos; Simultan-Übersetzer sind nicht nötig. Unklarheiten kommen nicht erst auf, brauchen also nicht korrigiert zu werden.

Aber die Kritik des Pariser Kurier beschränkt sich nicht auf die Feststellung, daß noch andere Gesprächspartner denkbar gewesen wären. Das Wesentliche ist vielmehr dieser Hinweis: Hätte man mit Hilfe simultaner Übersetzung auch solche Franzosen zu Gehör gebracht, die nicht Deutsch sprechen, und hätte man zumal die Antworten des Bundeskanzlers sofort ins Französische übertragen, so wäre die Wahrscheinlichkeit nicht auszuschließen; daß sich auch die französische Television an der Sendung beteiligt hätte, sei es „live“ und ausführlich, sei es per Film und in Auszügen.