Leo Navratil: „Johann Häuser“ und „Gespräche mit Schizophrenen“ / Von Ernst Klee

Irre, die malen oder dichten, sind für den Kunstmarkt keine Irren, sondern Künstler. Sie bleiben zwar eingesperrt, aber ihre Werke werden ausgestellt. Dem normalen Psychiatriepatienten werden Wahnbilder mit Psychopharmaka ausgetrieben. Die irren Künstler werden vom Psychiater dagegen angehalten, ihre schizophrenen Vorstellungen auf Leinwand oder Papier zu bringen. Der Wahn wird für den Markt gehätschelt.

Der Chefarzt des niederösterreichischen Landeskrankenhauses Klosterneuburg hat zwei Bücher herausgebracht –

Leo Navratil: „Johann Hauser – Kunst aus Manie oder Depression“; Verlag Rogner & Bernhard, München, 1978; 236 S., 48,– DM und

„Gespräche mit Schizophrenen“; dtv 1404, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1978; 215 S., 7,80 DM.

Das Interesse der Fach weit und der Öffentlichkeit galt von Anfang an den Bildern, dann erst den Gedichten der Schizophrenen. 1921 beschrieb Walter Morgenthaler Leben und Werk von Adolf Wölfli „Ein Geisteskranker als Künstler.“ Wölfli ist der berühmteste malende Schizophrene. Seine Bilder waren auf der Kasseler documenta. Seine Hinterlassenschaft pflegt das Kunstmuseum in Bern.