Die Regierungskrise in Italien ist noch immer nicht gelöst, eine mehrheitsfähige Regierung noch nicht gebildet. Die Ausschreibung von Neuwahlen wird erwartet.

Zu Wochenbeginn hatte der italienische Staatspräsident Sandro Pertini noch einmal die Vertreter der Parteien gehört, um einen Ausweg aus der seit 34 Tagen andauernden Regierungskrise zu finden. Diese Konsultationsrunde war notwendig geworden, nachdem sowohl der Christdemokrat Giulio Andreotti wie der Republikaner Ugo La Malta mit ihren Versuchen gescheitert waren, eine neue Regierung zu bilden. Zunächst schien sich in der Tat die Möglichkeit einer Übergangsregierung abzuzeichnen, die zumindest die Europawahlen und die Parteitage der Christdemokraten und der Kommunisten überdauern sollte.

Das Kabinett hätte aus Christdemokraten, Sozialdemokraten und Republikanern bestehen sollen. Die Sozialisten schienen bereit, eine solche Regierung parlamentarisch zu unterstützen. Dann erklärte Sozialisten-Chef Bettino Craxi jedoch überraschend, er halte zusätzlich eine Tolerierung durch die Kommunisten für erforderlich. Die Kommunisten wollen allerdings auch bei einer Übergangslösung in die Opposition gehen, da ihrer Forderung nach Aufnahme von ihrer Partei nahestehenden Ministern in die Regierung nicht entsprochen worden ist.

Staatschef Pertini steht jetzt vor der schwierigen Entscheidung, noch einmal einen Auftrag zur Regierungsbildung zu vergeben, die von vornherein so gut wie ausgeschlossen scheint, oder aber das Parlament vorzeitig aufzulösen. Die Entscheidung wird noch in dieser Woche erwartet. U.V.