Von Viola Roggenkamp

Zwei Frauen nahm SPD-Spitzenkandidat Klaus Matthiesen in seine Regierungsmannschaft, und sollte er nach dem 29. April Schleswig-Holsteins neuer Ministerpräsident sein, werden zu seinem Kabinett die Bundestagsabgeordnete Heide Simonis und Cornelie Sonntag, NDR-Redakteurin, gehören. Dann wird es in Kiel auch eine Arbeitsgruppe "Gleichstellung der Frau" geben, die dem Landeschef zuarbeiten soll, der gegenüber er wiederum eine jährliche Berichtspflicht haben wird.

Damit nicht genug. Ihren Genossinnen in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) spendierten die Genossen 30 000 Mark. "Nadelgeld" nennen einige SPD-Frauen spöttisch diese Parteispende, die ihnen zum erstenmal beschert wurde. Die großzügige Geste beschränkt sich auf die Wahlkampfzeit, "während die Jusos schon immer unterstützt wurden". In diesem Jahr mit 58 000 Mark. "Aber wir sind es ja gewohnt, für jede Briefmarke um Geld zu bitten." Edith Harbeck, AsF-Vorsitzende in Schleswig-Holstein, ist auf die SPD-Männer nicht gut zu sprechen. Und mit ihr eine ganze Reihe anderer Sozialdemokratinnen zwischen Flensburg und Lübeck.

Zwei Frauen im Matthiesen-Kabinett können sie nicht darüber hinwegtrösten, daß bei der Listenaufstellung zur Landtagswahl "wieder einmal alles beim alten blieb". 50 Plätze zählt die SPD-Liste. Allein die ersten 30 sind sicher. Und darunter sind bloß drei Frauen. Sie haben sichere Wahlkreise. Wenn es nach dem 29. April nur wieder zur Opposition gereicht haben sollte, werden sim Landtag sitzen.

Nicht für nötig hielt es der Landesvorstand, zumindest noch die AsF-Vorsitzende Edith Harbeck aufzustellen. Sie hatte für Platz 13 kandidiert. Doch nicht sie, sondern einen Gewerkschafter favorisierte die SPD-Spitze.

Edith Harbeck: "Hand in Hand. Gemeinsam. – Viele von uns können das schon gar nicht mehr hören. Frauen gemeinsam, ja. Aber nicht mehr Hand in Hand mit Männern." Augenscheinlich wird sich die SPD-Arbeitsgruppe "Gleichstellung der Frau" über zuwenig Arbeit nicht beklagen können. Genug Material liefert die eigene Männerriege.

Schon seit geraumer Zeit hängt im nördlichsten SPD-Landesverband der Haussegen schief. Die Frauen sind es schier überdrüssig, "von den Männern spöttisch belächelt zu werden, sobald wir Frauenprobleme aufzeigen". Sie haben die Gleichgültigkeit satt, "mit der Zusammenhänge zwischen Familienpolitik und dem Recht auf Arbeit halbherzig diskutiert werden".