Führerscheinentzug

Von Klaus J. Busch

Seit 1951 hatte Hans Reinart den Führerschein, er war noch nie in einen Unfall verwickelt. Dennoch ist der fünfzigjährige Maschinenbauingenieur seine Lizenz vorerst los. Zweimal, 1975 und 1977, war Reinart einer Routinekontrolle der Polizei ins Netz gegangen: Er hatte zu tief ins Glas geschaut, die Blutproben ergaben weit mehr als die erlaubten 0,8 Promille.

Während 1975 die Richter – nicht zuletzt wegen der 25 unfallfreien Jahre des Beschuldigten – noch milde gestimmt waren und Reinart seinen Führerschein nach einer sechsmonatigen Sperrfrist zurückerhielt, wanderte die Fahrerlaubnis bei der zweiten Verurteilung, für zwei Jähre zu den Akten.

Trotzdem kann er schon im Frühjahr wieder selbst hinter dem Steuer sitzen – dank einer Lektion mit Gnadenerweis: Der Technische Überwachungsverein (TÜV) Rheinland und die Bundesanstalt für Straßenwesen in Köln haben Pionierarbeit geleistet und ein Kursprogramm für „alkoholauffällige Kraftfahrer“ entwickelt, dessen Teilnehmern eine Verkürzung der Sperrfrist um drei Monate winkt.

Das medizinisch-psychologische Schulungsprogramm hat, hierzulande kaum neun Monate in der praktischen Erprobung, eine lange Geschichte. In den USA wurden bereits 1970 die ersten Versuche gemacht, trinkfreudige Autofahrer durch psychologische Betreuung zu. „resozialisieren“. Immerhin sank die Rückfallquote, also die Zahl mehrfach erwischter Fahrten-Fahrer, in der Neuen Welt seither um dreißig Prozent. So zeigten sich auch deutsche Institutionen bereits vor Jahren an einer psychologischen Nachschulung gerade für diese Problemgruppe interessiert. Denn im verkehrsreichsten Land Europas mit knapp 25 Millionen zugelassenen Autos spielt bei fast der Hälfte aller tödlichen Verkehrsunfälle der Alkohol eine Rolle.

Doch die behördlichen Mühlen waren hier nur langsam in Gang zu setzen. Zwar wurden alsbald medizinisch-psychologische Prüfungen geschaffen, die als „Idiotentests“ auch den durch ihr Flensburger Punktekonto belasteten Rasern und Rotlichtsündern drohen. Doch die Wirksamkeit dieser Tests ist umstritten. Fahrer mit Prüfungsangst haben geringere Chancen, diese Untersuchungen zu meistern. Überdies können selbst einsichtige und reumütige Charaktere in einer Stunde kaum von Psychologen durchschaut werden.