Nach einem berühmten Wort Mao Tse-tungs kann der Krieg nur durch den Krieg abgeschafft werden. Ob seine Nachfolger durch ihre als „Strafaktion“ und „Gegenangriff“ verbrämte Aggression gegen das machthungrige Vietnam ein Zeitalter blühenden Friedens für Indochina eingeleitet haben, steht noch dahin. Die Verhandlungen nach dem chinesischen Rückzug, zu denen sich beide Seiten einfinden wollen, sind im voraus mit Konfliktstoff überhäuft: Ansprüchen auf nie demarkierte Grenzgebiete, militärischen Sicherheitswünschen, dem Zank um Erdölquellen, den Interessenkollisionen in Kambodscha und Laos.

In einem weiteren Sinne mögen die Staatsmänner in Peking mit ihrer Theorie des „Krieg dem Kriege“ vorerst recht behalten haben: Der Polarbär im Norden hat es nicht gewagt, seine Krallen zu zeigen. Nicht ohne stille Genugtuung hat man in westlichen Hauptstädten zugesehen, wie die kommende Weltmacht China die sowjetische Ohrfeige in Kambodscha mit einer Ohrfeige in Vietnam beantwortet hat.

Und doch sind die vielen neuen Freunde, die das chinesische Volk in den letzten Jahren überall in der Welt dazugewonnen hat, durch das brutale Vorgehen seiner Regierung gegen einen kleinen Nachbarn herb enttäuscht. Statt einen Konflikt mit Großmut und Geduld friedlich zu lösen oder sich internationaler Organisationen zur Konfliktverhinderung zu bedienen, hat Peking seine Soldaten ohne Rücksicht auf Verluste in eine der bestverteidigten Bergregionen der Welt geschickt, friedliche Bauerndörfer und idyllische Provinzstädte erbarmungslos in Schutt und Asche gelegt.

Für alle, die von dem Entwicklungsland China einen wegweisenden Beitrag zum Frieden erhofft hatten, ist es wenig tröstlich, daß schon vor mehr als zweitausend Jahren ein chinesischer Philosoph über Mittel und Wege nachsann, damit „die Starken nicht die Schwachen überwältigen, die vielen nicht die wenigen unterdrücken“. Kj.