Nach der Schlacht: McGraw-Hill and American Express lecken sich die Wunden

Wie verscheucht man einen „Raubritter“, ohne sich in die Arme eines „edlen Ritters“ flüchten zu müssen? Harold McGraw, der Chef des amerikanischen Verlagshauses McGraw-Hill (Business Week) hat dieses als kaum möglich geltende Kunststück offensichtlich zustandegebracht.

Er hat die Übernahme seines Unternehmens durch die überaus finanzkräftige American Express Company (den „Raubritter“ eben in jener Terminologie, die sich zur Beschreibung solcher Übernahmekämpfe herausgebildet hat) verhindert. Und ihm ist auch gelungen, daß bislang kein anderes übernahmehungriges Unternehmen ins Geschehen eingegriffen hat. Üblicherweise tritt nämlich bei einem derartigen Gefecht irgendwann so ein „edler Ritter“ auf, der das Opfer dann seinerseits erobert.

Daß der McGraw-Hill-Verlag bislang seine Selbständigkeit bewahren konnte, verdankt er zwei glücklichen Umständen: Weil der Generaldirektor von American. Express, Morley, gleichzeitig Mitglied des McGraw-Hill-Aufsichtsrates war, konnte ihm Harold McGraw „groben Vertrauensbruch“ vorwerfen und der Unternehmensführung von American Express mit einer Klage den Schneid abkaufen. Gleichzeitig fand sich in der durch die Übernahme angeblich bedrohten Pressefreiheit ein Thema, mit dem Harold McGraw die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit (und das Interesse der Behörden und Gesetzesmacher in Washington) mobilisierte.

Die Bosse von American Express reagierten auf die unerwartete Gegenattacke des vermeintlichen Opfers mit einer doppelzüngigen Stellungnahme: Einerseits beteuerten sie, daß ihnen an einer Übernahme gegen den Willen des Managements von McGraw-Hill überhaupt nichts gelegen sei. Andererseits erhöhten sie den angebotenen Preis pro McGraw-Hill-Aktie auf vierzig Dollar, wobei sie die Angebotsfrist bis Anfang März ausdehnten. Die „Raubritter“ aus dem auf Reiseschecks und Kreditkarten gegründeten Finanzimperium hofften offensichtlich, daß so verärgerte McGraw-Hill-Aktionäre das Management dazu zwingen würden, seine Meinung zu ändern und das für die Aktionäre lukrative Angebot anzunehmen.

Tatsächlich formierte sich eine Aktionärsgruppe, die nun auf Schadensersatz wegen entgangenen Gewinns von 350 Millionen Dollar klagt. Der Aktienhändler Guy P. Wyser-Pratte versuchte eine Abstimmung der McGraw-Hill-Aktionäre über das Angebot von American Express herbeizuführen. Als Wyser-Pratte in der vergangenen Woche aufgab, wußte man an der Wall Street, daß die Schlacht geschlagen war. Inzwischen ist auch die von American Express gesetzte Angebotsfrist abgelaufen, und damit ist die Zeit gekommen, die bei der Schlacht auf beiden Seiten entstandenen Verluste zusammenzuzählen.

McGraw-Hill muß dem als Finanzberater beauftragten Investmenthaus Morgan Stanley 1,5 Millionen Dollar Grundhonorar, dazu die Spesen zahlen. Die Honorare der Rechtsanwälte, PR-Agenten und anderen Berater, die die beiden Konzerne in den sechs Wochen verpulverten, werden auf insgesamt 3,5 Millionen Dollar geschätzt. Für die Bereitstellung der zur Finanzierung der Übernahme eingeräumten Kreditlinie verschiedener Banken geht bei American Express noch einmal eine Million Dollar weg. Insgesamt haben die beiden Unternehmen also etwa Munition im Werte von sechs Millionen Dollar verschossen – und damit die Brieftaschen der Rechtsanwälte und Bankiers aufgefüllt.

Dicke Verluste müssen natürlich all die Aktienspekulanten hinnehmen, die auf den Sieg von American Express setzten und sich kräftig mit Aktien zum Kurs von bis zu 35 Dollar eindeckten. Inzwischen sind nämlich die McGraw-Hill-Papiere nur noch 26 Dollar wert. Jes Rau