Korea will sein Image verbessern

Von Aloys Behler

Irgendwo, irgendwann auf der Polroute zwischen Himmel und Erde, Paris und Anchorage spürt der Passagier im Bauch der DC 10 der „Korean Airlines“ plötzlich einen Anflug polarer Kaltluft in seinem Rücken: Es überfällt ihn der Gedanke, daß dies ja eine Maschine desselben Typs, derselben Gesellschaft, derselben Flugnummer ist wie jene, die hier im vergangenen Jahr vom rechten Weg abkam und bei Murmansk von russischen Jägern unsanft zu einer außerfahrplanmäßigen Landung gezwungen wurde. Etwas stierer wird daraufhin der Blick, mit dem der Fluggast aus dem Kabinenfenster schaut, als ließen sich da draußen in dem sonnendurchglühten milchigen Weiß hilfreiche Wegweiser finden. Buddha bewahre! Unser Käpt’n hat es auch so bis Seoul geschafft.

Nach fünfzehntausend Flugkilometern ist ein Mensch in der Verfassung, sich nichts als ewige Ruhe zu wünschen. So klingt die Ankündigung baldiger Landung in Südkoreas Hauptstadt Seoul wie eine Verheißung. Doch „Kimpo International Airport“ räumt rasch auf mit der Illusion von himmlischer Ruhe, die sich unvermeidlich aufdrängt beim poetischen Klang jenes (ersten) Namens, den ein ins Exil gejagter chinesischer Minister dem Lande gab, in dem er sich vor viertausend Jahren selbständig machte: Chao-hsin „Land der Morgenstille“. Im Gewiesel und Gewühle der Flughafenhalle, spätestens beim Transfer über die in jeder Richtung fünf- bis achtspurigen Verkehrsadern der City von Seoul kommt dem Gast die Erkenntnis: Das muß ein Gerücht sein. Oder: Die Zeiten haben sich geändert.

Seoul ist, was in allen Prospekten eine „pulsierende Metropole“ genannt wird, mit acht Millio-Einwohnern eine der zehn größten Städte der Welt. Im Koreakrieg war die Stadt, am Nordufer des Flusses Han gelegen und auf drei Seiten von Bergen umgeben, viermal Schlachtfeld und am Ende völlig verwüstet; heute künden die Hochhausreihen von Hotelbauten, Geschäfts- Sind Appartementhäusern amerikanischen und Europäischen Stils vom koreanischen Wirtschaftswunder des letzten Jahrzehnts. Wir wohnen im Chosun-Hotel (Chosun ist koreanisch und heißt ebenfalls Land der Morgenstille), das erste, aber längst nicht mehr einzige Luxushotel amerikanischer Prägung am Platze. Wenn man sich hier auch nicht wie in Korea fühlt, so fühlt man sich doch fast wie zu Hause. Es heißt, die Koreaner seien von allen Asiaten die freundlichsten gegenüber Leuten aus dem Westen; es gab drei Tage lang keinen Anlaß, daran zu zweifeln. Daß im „Chosun“ für knapp 24 Stunden in mehreren Etagen die Wasserleitung ausfiel, war ein Mißgeschick, wie es in den besten Häusern vorkommen kann, in diesem Falle verursacht durch Bauarbeiten ringsum. Im Grunde nicht erwähnenswert, wären nicht die Freundlichkeit, Bereitwilligkeit und das verschmitzt-hintergründige Lächeln, mit dem ein dienstbarer koreanischer Geist regelmäßig auf Anruf einen Eimer Wasser aufs Zimmer wuchtete, ein so unvergeßliches Erlebnis gewesen.

„Eine rückständige Wirtschaft, arme Leute, und jeden Augenblick kann ein Krieg ausbrechen“ – dies, so vermutet Jwah Kyum Kim, der Präsident der Korea National Tourism Corporation, ist das Bild, das sich die Welt von der Republik Korea macht. Er will es korrigieren. Mehr und mehr soll Korea eingeschlossen werden in den Touristenstrom zwischen Tokio und Hongkong, die anerkannten Gateways zum Orient. Für die koreanischen Tourismus-Manager ist es eine überzeugende Rechnung: Mit einer zusätzlichen Flugstunde, aber ohne zusätzliche Kosten hat der Fernost-Reisende ein Land mehr auf seiner Sightseeing-Tour.