ZDF, Donnerstag, 15. März, 22.20 Uhr: „Shakespeares Memory“, eine Aufführung der Berliner Schaubühne, Regie Peter Stein

Auf „Shakespeares Eiland“ endete (und strandete) damals, im Winter 1976, der Berliner Schaubühne erste Expedition zu Shakespeare: „Shakespeares Memory“, der zweiteilige, insgesamt achtstündige Versuch, mit „Bildern und Texten aus der Welt Shakespeares“ das Theater und die Wissenschaft vom Theater miteinander zu versöhnen, mündete in ein ziemlich schreckliches Potpourri bekannter und beliebter Shakespeare-Szenen. .-

Die Fernsehfassung, nur neunzig Minuten lang, hört anders auf – mit der Szene „Das Schiff“, mit einem Text über das Schlaraffenland: „Wer je in diesem Land will ruhn / muß vorher große Buße tun.“ Eine große Bußübung vor Betreten des gelobten Landes Shakespeare ist dieses Theaterprojekt gewesen. Wir alle haben damals geseufzt und gejammert – ein bißchen zu laut womöglich.

Auch die Fernsehfassung (nicht brillante Verfilmung, sondern schlichte Aufzeichnung) dokumentiert noch einmal die Nöte des Abends: die Skrupel Steins vor dem „Heroen“ Shakespeare, Ängste, die bei einem, der Schüler Kortners und Widersacher Zadeks ist, nur allzu begreiflich sind; die Anstrengungen eines mit allen spätbürgerlichen Subtilitäten vertrauten Ensembles, wenn es plötzlich naiv und volkstümlich sein soll. Stein kommentiert die Fernsehfassung selbst und tut es auf sehr bezeichnende Weise: steif, bemüht, ziemlich unlustig. Nicht, daß man von ihm irgendwelche Moderatoren-Munterkeiten erwarten würde, Dieter Thomas Heck oder Everding muß er nicht sein. Doch so un-begeistert von seinem Gegenstand, wie seine Stimme tut, kann er doch unmöglich gewesen sein.

Man sieht auch wieder, wie wenig aller Aufwand, wie wenig die Prunkwagen und die prunkvollen Kostüme, die Texte und Gesänge über Shakespeares Mysterien verraten. Groß an Shakespeare ist das Unzugängliche, nicht das dem Forscherfleiß Zugängliche; der historische Shakespeare ist der harmlose Shakespeare; Shakespeares Stücke sind „Shakespeares Gedächtnis“, nicht die Dokumente aus seiner Zeit.

Und trotzdem ist dies inmitten der Fernsehwüste eine Oase. Ein Irrtum vielleicht, doch ein heroischer, wichtiger als zahllose „Erfolge“ anderswo. Zum Schlaraffenland, wenn es denn so etwas gibt, führt ein Irrweg eher als die Hauptstraße. B. H.