Ein Gespräch mit Minister Farthmann

Von Dieter Piel ZEIT: Herr Farthmann, vor dem Karlsruher Richterspruch zur Mitbestimmung haben Sie die Gefahr innenpolitischer Konflikte für den Fall beschworen, daß das Bundesverfassungsgericht am geltenden Mitbestimmungsrecht rütteln würde. Tatsächlich aber hat das Gericht diese Mitbestimmung gebilligt. Welche Konflikte hat es uns, konkret, damit erspart?

Farthmann: Ich habe nie behauptet, daß wir eine vorrevolutionäre Situation hätten, die durch ein negatives Urteil in eine revolutionäre hätte umschlagen können. Davon sprechen in unserem Lande nur politische Gruppierungen, deren Größenordnung sich bei Wahlen rechts vom Komma bewegt. Was ich befürchtet habe, war, daß unsere Gesellschaft in einem zentralen politischen Bereich, nämlich dem der Wirtschafts- und Unternehmensordnung, gewissermaßen zur Hoffnungslosigkeit verurteilt worden wäre. Denn nicht nur der einzelne Mensch braucht Hoffnung, auch die Gesellschaft lebt davon.

ZEIT: Sie halten also die Hoffnung für begründet, daß man die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Unternehmen künftig noch anders qualifizieren und ausweiten kann?

Farthmann: Ganz und gar. Nachdem ich alle 113 Seiten der Urteilsbegründung gelesen habe, muß ich sagen: Das ist noch erheblich besser, als ich zu Anfang dachte.

ZEIT: Es gibt darüber freilich auch kontroverse Betrachtungen.

Farthmann: Das scheinen mir Zweckauslegungen zu sein. Ich glaube nicht, daß der Text das hergibt, sondern der Text ist in mancher Hinsicht so offen, wie ich es nur zu hoffen gewagt hatte.