Die meisten Wintersportplätze scheuten bisher weder Mühe noch Kosten, um Schauplatz großer skisportlicher Wettkämpfe zu werden. Der touristische Nutzen solcher Spektakel wird jedoch mehr denn je bezweifelt.

Unverhohlen wetterten betroffene Bürgermeister und Fremdenverkehrsdirektoren anläßlich einer Tagung des Bayerischen Skiverbandes in München gegen den finanziellen Gigantismus solcher Rennen. Ohne Subventionen von Land und Bund würden sich die meisten Gemeinden hoffnungslos verschulden, hieß es; außerdem sei es die Frage, ob der Aufwand überhaupt lohne.

Die ursprünglich als so werbewirksam eingeschätzten Fernsehübertragungen der Europa- und Weltcuprennen jedenfalls bringen dem Ort längst nicht die erhoffte touristische Bekanntheit. Die Berichterstattung der Medien rückt ihn zwar für ein paar Tage ins öffentliche Interesse, doch nur als (oft kaum beachtete) Kulisse für Pisten und Akteure. Das größte Risiko solcher Skispektakel, der Schneemangel, ist ohnehin nicht abzusichern. Wie in diesem Winter der Schweizer Skiort Wengen, so mußten in der Vergangenheit schon so manche Cup-Veranstalter bekennen, daß für den Wintersportler auch mitten in der Saison Mangelsituationen eintreten können. Eine ausgesprochene Negativwerbung, die interessierten Aktivurlaubern vermutlich gut in Erinnerung bleibt.

Die für solche Veranstaltungen notwendigen Investitionen sind erheblich. Durchschnittlich kostet ein Ereignis 200 000 Mark, nicht selten auch mehr. Pfronten im Allgäu beispielsweise veranschlagte seinen Cup-Trubel Anfang Februar mit rund 250 000 Mark, Berchtesgaden gar mit 350 000 Mark. Und der Aufwand von Garmisch-Partenkirchen für den Männer-Cup Ende Januar reichte knapp an die 500 000-Mark-Grenze. Von den genannten Summen wird meist nur ein kleiner Teil durch Reklameeinnahmen, Eintrittsgelder, TV-Gebühren sowie Landes- und Bundeszuschüsse abgedeckt. Einen großen Teil des nötigen Aufwandes gleichen engagierte örtliche Helfer durch freiwillige Überstunden aus. Einwohner werden zum kostenlosen Schneetreten auf den Pisten geladen, sie fungieren als Ordnungshelfer, als Fahnenaufsteller und Informationsbürodiener.

Die gemeindeinterne Hilfsbereitschaft freilich hat ihre Grenzen. So ist kein Hotelier nach mehreren Rennsaisons noch dazu bereit, Ski-Stars kostenlos zu beherbergen. Im Gegenteil, da kaum ein Wirt seine Stammkunden zugunsten eines kurzen Skirummels ausladen möchte, sind oft Überredungskünste vonnöten, den Mannschaften in den Haupturlaubszeiten überhaupt Zimmer freizuhalten.

Die Abwägung der Pro- und Contra-Punkte hätte eigentlich schon längst etliche Gemeinden abschrecken müssen. Dennoch wird es immer wieder welche geben, die sich um den kostenfressenden Rummel um die Skistars bemühen – in der stillen Hoffnung, davon doch in irgendeiner Weise zu profitieren, und wenn’s nur teuer erkaufter Prestigegewinn ist. Außerdem, einer „muß“ sich ja als Schauplatz hergeben, und bevor aller Fernsehzuschauer Augen nur noch ins Ausland wandern, macht man offenbar lieber ein paar finanzielle Klimmzüge,

Brigitte Zander