Der deutsche Südwestfunk macht aus dem eidgenössischen Funkwerbeverbot ein Geschäft

Fliegen auch Sie mit einer PC 10 der Swissair direkt nach Kalifornien“, tönt es in bestem Schwyzerdütsch aus dem Radio einer Aargauer Hausfrau, während sie das Mittagessen zubereitet. Doch nicht auf heimischen Werbewellen animiert die eidgenössische Fluggesellschaft zu einem Trip in die Sonne. Denn das darf sie nicht. Rundfunkwerbung ist in der Schweiz verboten, um die überbesetzte Presselandschaft vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen, Die drahtlosen Werbesprüche der Swissair und vieler anderer helvetischer Unternehmen erreichen dennoch die Ohren ihrer Landsleute über die Sendemasten des deutschen Südwestfunks.

Mußte die Idee eines Liechtensteiner Werben senders, der vor allem Süddeutschland berieseln sollte, nach dem Abschluß eines neuen Postvertrages zwischen der Schweiz und Liechtenstein vorerst in der Schublade verschwinden, sieht sich der Südwestfunk keinen gesetzlichen Hürden gegenüber, Ähnlich Radio Luxemburg wildert er mit seinen grenzüberschreitenden Werbesprüchen in fremdem Revier.

Der Werbeblock zwischen 11.30 und 11.50 Uhr im ersten Programm des SWF ist ausschließlich den Eidgenossen vorbehalten. „Der treffsichere Mediablock mit der großen Reichweite verspricht die mit dem Verkauf der Sendezeit an Schweizer Firmen beauftragte Radiotele AG in Zürich, und weiß auch gleich besondere Vorzüge herauszustreichen: Alkohol- und Tabakwerbung, im Schweizer Werbefernsehen tabu, sind von jenseits der Grenze möglich. „Untersuchungen zeigen insbesondere“, versucht die Radiotele AG den Eidgenossen die Rundfunkwerbung schmackhaft zu machen, daß im Rundfunk im Gegensatz zum Fernsehen „auch beim unaufmerksamen Hörer die Werbebotschaften aufgenommen werden, sofern sie prägnant formuliert sind“.

Versüßt wird das Ganze mit einer günstigen Kostenrechnung. Tausend Hörerkontakte in der Schweiz, rechnen die Zürcher Statthalter der Schwaben den eidgenössischen Unternehmen vor, kosten angesichts der 170 000 Schweizer, die SWF 1 zwischen 11.30 und 11.50 Uhr eingeschaltet haben, bei einem Dreißig-Sekunden-Spot ganze fünf Franken und fünfundachtzig Rappen.

Für tausend Kontakte mittels Schweizer TV-Spots gleicher. Länge oder einseitigen Schwarzweiß-Inseraten in Deutsch-Schweizer Tageszeitungen müßten die Werbetreibenden wesentlich tiefer in die Tasche greifen. 17,07 Franken kosten, nach Berechnungen der Teleradio tausend Kontakte mittels Werbefilmen im Schweizer Fernsehen, 24,72 Franken bei ganzseitiger Zeitungswerbung, Und beim Südwestfunk sind die rund 700 000 deutschen Hörer, die das Programm gleichzeitig eingeschaltet haben, eine Gratis-Zugabe.

Das ließen sich die Schweizer Firmen, deren Einzugsbereich über die Grenze hinausreicht, nicht zweimal sagen. Neben der Basler Mustermesse machen auch die Schweizer Reisebüros Kuoni und Esco, mit denen wegen des – näher als Stuttgart gelegenen Zürcher oder Basler Flughafens so mancher Germane in den sonnigen Süden jettet, vom SWF-Angebot Gebrauch.