Weil die Eltern diskriminiert werden, gibt es weniger Babys

Von Ferdinand Ranft

Sie sind die größte Gruppe mit gemeinsamen Interessen und gleichem Status in der Republik, das hat aber unsere Politiker bis heute nicht daran gehindert, sie in unserer Gesellschaft am meisten zu benachteiligen: die rund 38 Millionen Eltern, die gemeinsam oder allein etwa fünfzehneinhalb Millionen Kinder unter 18 Jahren aufziehen. Zwar beteuern Parteien und Verbände – gerade jetzt im Jahr des Kindes – ihre Familienfreundlichkeit, in Wahrheit ist Familienpolitik in Bonn ein nur widerwillig angefaßtes Thema, von dem ohnehin nur wenige Politiker etwas verstehen.

So hat die Bonner Familienpolitik seit Jahr und Tag dafür gesorgt, daß die Eltern, vor allem bei kinderreichen Familien, immer mehr ins Abseits gerieten. Denn:

  • Das Kindergeld und alle sonstigen steuerlichen und sozialen Leistungen für die Familie decken weit weniger als 50 Prozent der tatsächlich für Kinder notwendigen Kosten;
  • der Steuertarif benachteiligt Ehepaare mit Kindern zusätzlich;
  • das Wohngeld mutet gerade Kinderreichen einen besonders hohen Gehaltsanteil für Mieten zu;
  • die Wohnungspolitik ist familienfeindlich;
  • das Ausbildungsförderungsgesetz nötigt vielen Eltern unzumutbare Leistungen auf; es hilft, den Familienfrieden zu zerstören, indem es den Kindern Rechtstitel gegen die Eltern in die Hand gibt;
  • die Jugendhilfe-Gesetzgebung verunsichert viele Eltern und stellt die Erziehungsrolle der Familie in Frage;
  • die Rentengesetzgebung benachteiligt Familien;
  • aber Beamtenfamilien werden – sogar mit ausdrücklicher Billigung des Bundesverfassungsgerichts – gegenüber „Normal-Familien besonders gefördert.

Angesichts dieses Sündenregisters kann sich eigentlich nur noch ein Tor darüber wundern, daß junge Leute immer häufiger darauf verzichten, eine Elternrolle zu übernehmen, Frauen sich weigern, Kinder in die Welt zu setzen.

Dabei ist die Diskriminierung der Eltern in unserem Land beileibe nicht nur eine finanzielle oder materielle, sie hat tiefere Wurzeln, reicht weiter zurück als die aufgeregte Diskussion über den Geburtenrückgang. Die Rolle der Familie wird von Gesellschaft und Politik seit langem in Frage gestellt, immer häufiger versuchen Sozialpolitiker in die Familien hineinzuregieren, die Aufgaben der Eltern zu beschneiden. In den verschiedenen Familienberichten der Bundesregierung finden sich dazu bezeichnende Formulierungen. Da ist von der Familie die Rede, die ihren Aufgaben nicht gewachsen sei, von der mangelhaften (also wohl auszubauenden) gesellschaftlichen Kontrolle elterlicher Erziehung, vom Ausbau der Mitbestimmung der Kinder, als stünden sich hier Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegenüber.