Die Entscheidung im Streit um das Amt des Bundespräsidenten ist gefallen. Karl Carstens ist am Montag von der Union nominiert worden, Walter Scheel hat die Bitte der Koalitionsfraktionen, ein zweites Mal zu kandidieren, am Dienstag abgelehnt. Ein Präsident, der sein Amt sehr gut geführt hat, wird abtreten, ein neuer folgt ihm, und er wird, daran ist nicht zu zweifeln, Karl Carstens heißen.

Die Seufzer, daß endlich das Gezerre zu Ende geht, sind nur zu berechtigt. Will er, will er nicht oder will er vielleicht doch – die Vermutungen, an denen Scheel selbst nicht ganz unschuldig war, sind dem Amt nicht gut bekommen. Es wäre durchaus vorstellbar gewesen, daß Scheel, auch in der Gewißheit der Niederlage, abermals sich der Wahl gestellt hätte; jetzt hat er verzichtet. Dies ist zu respektieren, und an der Klarheit der Entscheidung sollte nicht mehr gedeutelt werden.

Die Koalition allerdings kommt damit in eine peinliche Situation. Sie hat in der Hoffnung auf Scheel die Suche nach einem Mann ihrer Wahl verdrängt. Auch wenn es nach aller Voraussicht nur ein „Zählkandidat“ sein wird, sie muß einen finden, der den etwas kläglichen Eindruck verhindert, sie habe niemanden gegen Carstens aufzubieten – und einen Kandidaten überdies, auf den sich beide Regierungsparteien einigen können. el