Köln

Werbespots im Fernsehen, Handzettel mit politischen Kampfansagen in Wartezimmern, Parteipropaganda für Patienten ... in den letzten Jahren kümmerte sich die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein (KZV) nicht nur um kranke Zähne, sondern auch um das politische Wohlbefinden der Patienten. Kosten: acht Millionen Mark jährlich – ein Drittel des Gesamtetats der KZV Nordrhein. 1979 sollten 13 Millionen für diese „Öffentlichkeitsarbeit“ ausgegeben werden.

Zum Vergleich: Dem benachbarten Verband der Kassenzahnärzte Westfalen genügen 600 000 Mark jährlich, um – freilich völlig unpolitisch – Zahnärzte zu informieren und Patienten vor faulen Zähnen und frühzeitigem Zahnausfall zu warnen.

Mit den nordrheinischen Geldern jedoch wurde beispielsweise gegen Bundesarbeitsminister Herbert Ehrenberg polemisiert – „Rentenloch-Minister“. Auf Handzetteln verbreitete die KZV Protestaufrufe gegen Atomkraftwerke und schickte ihren 3700 angeschlossenen Kassenzahnärzten Beitrittsformulare für die Umweltschutzpartei „Grüne Aktion Zukunft“ ins Haus.

Hinter alldem stand das politische Engagement des KZV-Chefs Eduard Knellecken. Bezahlen ließ er sich das letztlich von den Patienten. Direkt kamen zwar die Werbegelder von den obligatorischen Beiträgen der Kassenzahnärzte; aber die bekommen ja ihre Gelder von den Patienten beziehungsweise den Kassen. Fernsehen auf Krankenschein...

Irgendwann aber wurde die „rechtliche Dienstaufsicht“ des Zahnärzte-Verbandes wach – das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium. Nach mehrfachen Aufsichtsanordnungen fühlten die Steuerfahnder dem Chef-Zahnarzt Eduard Knellecken auf den Zahn. Diagnose: arg nach Fäulnis stinkende Geschäfte. Nachdem Eduard Knellecken mehrfach die KZV, eine Körperschaft öffentlichen Rechts, für seine politischen Ziele mißbraucht hatte, spürten Minister Farthmanns Justitiare Anfang dieses Jahres auch strafrechtliche Verdachtspunkte auf: Fünfstellige Summen soll der KZV-Chef auf Privatkonten in die Schweiz transferiert haben. Es ist auch von „bestellten und bezahlten Gutachten nach Hausmacherart sowie finanziellen Spekulationen mit Scheinfirmen“ die Rede.

Nun fühlen sich auch Nordrheins Kassenzahnärzte von ihrem Vorsitzender betrogen und fürchten um den guten Ruf ihrer Berufs? und Standesvertretung.