Von Michael Sagurna

Viele Wege führen nach Rom – ein Satz, dessen große Bekanntheit nicht zuletzt daher rührt, daß er so ziemlich auf alles Anwendung findet. Ein Speditionskaufmann würde hinzufügen: „Aber nur einer davon ist der billigste.“ – Und damit ist im Grunde die Hauptaufgabe des ganzen Berufsstandes umrissen: den kostengünstigsten, effektivsten Transportweg einer Ware zwischen der Produktionsstätte und dem Ort des Verbrauchs ermitteln.

Der Speditionskaufmann, der davon lebt, daß fast kein Wirtschaftsgut dort gebraucht wird, wo es hergestellt wird oder wächst, ist als Beruf so alt wie der Güterverkehr zu Lande und zu Wasser. Aber nicht allein die Tatsache, daß als dritte bedeutende Transportmöglichkeit heute das Flugzeug hinzukommt, macht das Gewerbe für junge Leute attraktiv.

Es ist so etwas wie „der Duft der großen weiten Welt“, das Näherrücken ferner Länder durch immer engere internationale Handelsbeziehungen, das die Entscheidung für diesen Beruf erleichtert. Gerade in der stark exportorientier-, ten Bundesrepublik sind Speditionskaufleute gefragt, die gute Sprachkenntnisse und die Bereitschaft zu weltweiter Mobilität mitbringen. Hinzu kommt die Fähigkeit, schnell mit modernen Arbeitsmitteln umgehen zu können. Die Zeiten, in denen Frachtbriefe oder Zollpapiere ausschließlich mit der Hand ausgefüllt wurden, sind längst vorbei. Der Umgang mit Computern gehört auch hier zum Geschäft.

Die Ausbildung zum Lehrberuf Speditionskaufmann nach dem seit 1958 unveränderten gesetzlichen Berufsbild dauert im üblichen Fall drei Jahre. Unter den über 5000 Speditionsunternehmen in der Bundesrepublik sind genügend Ausbildungsbetriebe, so daß in jeder mittleren oder größeren Stadt ein Lehrangebot besteht. In der Regel muß der Bewerber einen Eignungstest ablegen, dessen Anforderungen von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich ausfallen. Das Spektrum der angebotenen Ausbildung entspricht der Größe des Unternehmens und der wirtschaftlichen Struktur der Region. Von mittleren und kleinen Speditionen mit nur zwei Lehrstellen bis zum Großbetrieb mit über hundert Ausbildungsplätzen reicht die Palette.

Eine gewisse Chancenungleichheit ist damit zwangsläufig verbunden: Während etwa in einem Großunternehmen von internationalem Rang der angehende Speditionskaufmann alle Sparten seines Berufes kennenlernt, vom Transport per Flugzeug bis zur Seehafenspedition, beherrscht möglicherweise sein Kollege aus einem Familienbetrieb nach der Ausbildung nur den Weg der Ware über. Straße und Schiene. Dieses Gefälle ist offenbar nicht zu beseitigen. Immerhin: Die Ausbildung in mindestens zwei Fachsparten des Berufes ist vorgeschrieben, und Diplomkaufmann Almut Marx als Expertin für Berufsausbildung beim Bundesverband für Spedition und Lagerei versichert: „Mit dieser Ausbildung kann sich jeder auch gut in einer Sparte einarbeiten, die er bisher nicht kannte.“

Bleibt der Vergleich der schulischen Seite, bei dem nicht nur, wie überall, Unterschiede von Bundesland zu Bundesland auffallen; hier ist vielmehr auch die Zahl der am Ort ansässigen Ausbildungsbetriebe von Bedeutung. Während beispielsweise in Hamburg der Drang in diesen Beruf so groß ist, daß es eigens eine Schule für angehende Speditionskaufleute gibt, müssen in kleineren Städten, vor allem im Binnenland, die Auszubildenden gemeinsam mit Kollegen aus artverwandten Berufen die Schulbank drücken. Hier lernen sie, was speziell ein Groß- oder Außenhandelskaufmann wissen muß.