In den Börsenabteilungen der Kreditinstitute herrscht Langeweile. Weder die großen Kunden noch das Publikum lassen sich gegenwärtig zum Effektenkauf animieren. Allerdings werden Anlageempfehlungen gegenwärtig auch nur unter vielen Vorbehalten gegeben. Und wer ein solches Verhalten richtig beurteilt, kommt zu dem Schluß, daß die Anlageberater der Banken nicht unbedingt davon überzeugt sind, daß der Erwerb von Aktien oder Renten zur Zeit richtig ist. In den „Börsen-Informationen“ des Bankhauses Delbrück & Co. liest sich das so: „Für einen dauerhaften Stimmungsumschwung fehlt es derzeit an nachhaltig weitertragenden Impuls sen, was eine vorsichtig zurückhaltende Anlegerhaltung nahelegt.“ Gewunden ausgedrückt; man weiß jedoch, was gemeint ist.

So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn Überraschungen wie die Verdoppelung der Veba-Ausschüttung von drei auf sechs Mark nur kurzfristig belebend auf den Kurs der Veba-Aktie wirkten. Bald danach setzten Gewinnmitnahmen ein, die das Papier um einige Mark zurückwarfen. Ohne positiven Nachhall auf den VW-Kurs blieb die Beteiligung des Volkswagenwerkes an Triumph. Die Anlageberater beschäftigten sich dafür um so intensiver mit der Frage, welche Wirkung die Benzinpreisverteuerung und möglicherweise zu erwartende Maßnahmen zur Ben-Kineinsparung (Sonntagsfahrverbote, Geschwindigkeitsbegrenzungen) auf den Neuabsatz von Kraftfahrzeugen haben wird. Noch macht man sich Hoffnungen, daß der Absatzrückgang im Inland durch steigende Exporte ausgeglichen werden kann.

Die Aktienkurse werden aber nicht nur durch konjunkturelle Aspekte „bedroht“. Die Börsentage dieser Woche haben deutlich gemacht, wie empfindlich auf drohende Restriktionsmaßnahmen der Bundesbank reagiert wird. Künftig wird jeder Zentralbankratsitzung mit Angst entgegengesehen werden. Denn daß die Bundesbank schon frühzeitig auf die sich abzeichnenden Preissteigerungen reagieren wird, ist sicher, auch wenn sie zunächst einmal nicht viel ausrichten kann. In der zweiten Jahreshälfte werden die Preise für Textilien, Lederwaren und Kunststoffprodukte mit ziemlicher Sicherheit steigen, abgesehen von den Verteuerungen, die überall als Folge höherer Energiekosten eintreten müssen.

Noch läßt sich nicht abschätzen, wie der Verbraucher auf die Preissteigerungen reagieren wird. Kommt es, wie als Folge der vorangegangenen Ölkrise, zu einer deutlichen Kaufzurück-Haltung, weil in der „Not“mehr gespart wird? Oder werden Kaufwünsche rascher realisiert, ehe die Preise angehoben werden? Für den Einzelhandel eine entscheidende Frage. Offenbar gibt es Leute, die den zweiten Faß eintreten sehen. Sie haben in den letzten Tagen recht massiv Kaufhausaktien erworben. Heraufgesetzt wurden aber nicht nur die reinen Kaufhausaktien. Bei Neckermann-Aktien lebten die Käufe ebenfalls auf. Sie waren allerdings in erster Linie spekulativ. K. W.