Schwarzarbeit schadet vielen, dem Staat und der Wirtschaft. Zugleich aber ist sie ein gutes Barometer

Angst haben sie alle vor dem schwarzen Mann. Die Gewerkschaften halten ihn für einen Jobkiller und die selbständigen Handwerker für einen unlauteren Konkurrenten. Finanzminister und Kämmerer kreiden ihm an, daß er ihnen Steuern vorenthält. Den Sozialpolitikern mißfällt, daß er sich um Versicherungsbeiträge drückt. Wer schwarzarbeitet, ist offiziell nicht angesehen – heimlich aber um so mehr gefragt, denn allein der Wert des handwerklichen illegalen Tuns wird auf 28 Milliarden Mark jährlich geschätzt; die Zahl findet sich in einem von zwei Bonner Gesetzentwürfen gegen die Schwarzarbeit.

Es wäre müßig, an dieser Stelle in all die vielen Klagen einzustimmen, die hinlänglich bekannt und großenteils auch richtig sind. Was gegen die Schwarzarbeit spricht, weiß jeder, der ein wenig darüber nachdenkt. Indes: Spricht nicht auch einiges dafür?

Doch. Die enorme Nachfrage nach Schwarzarbeit zeigt jenen, die sie so lauthals beklagen, was sie falsch gemacht und versäumt haben. Den selbständigen Handwerkern sagt sie, daß viele Kunden weder Lust noch genügend Geld haben, Meister-Stundenlöhne von dreißig, vierzig oder mehr Mark zu bezahlen. Die Gewerkschaften, die ja an diesen hohen Löhnen nicht unbeteiligt sind, warnt sie, daß sich außerhalb ihres Machtbereichs ein „grauer“ Markt entwickelt hat.

Wichtiger aber noch ist das Signal, das die Politiker registrieren sollten. Der Schwarzarbeiter, der sich um die Steuern drückt, sieht nicht ein, wozu er diese zusätzliche Steuerlast tragen sollte. Das hat er übrigens mit manch einem der gegen ihn räsonnierenden Handwerksmeister gemeinsam, die ja auch ganz gern mal diskret fragen, ob ihre Rechnung „mit oder ohne Mehrwertsteuer“ erwünscht sei. Beiden fehlt es an der Einsicht in die Wichtigkeit der Staatszwecke, die sie mitfinanzieren sollen.

Ganz unverständlich ist das wohl nicht. Die Steuermoral der Bürger hängt doch ein wenig ab von der Ausgabenmoral der Parlamente und der öffentlichen Verwaltungen. Um diese Moral aber steht es schlecht in unserem Land. Fragwürdige Diäten-Gesetze; Abgeordneten-Pensionen zum Nulltarif; die Verschwendung von Millionen durch eine barock wirtschaftende Staatsverwaltung – ein Staat, der so handelt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es ihm die Bürger gleichtun wollen.

Durch die Sozialversicherung, auch sie ein Opfer der Schwarzarbeit – sie ist wie geschaffen dafür, betrogen zu werden. Wer „nach Feierabend“ vom Gerüst fällt und sich den Arm bricht, darf auf Kosten seiner – seiner? – Kasse krankfeiern. Wer, weil er zuviel schwarzgearbeitet hat, vorzeitig invalide wird, bekommt früher seine Rente. Und wer seinen Job verliert, weil er seinen Nebenjob zu ernst genommen hat, bekommt Geld vom Arbeitsamt.