Der erste Parteitag der „Grünen Aktion Zukunft“ könnte ihr letzter gewesen sein

Von Ulrich Völklein

Würzburg, im März

Ich blicke nicht mehr durch“, stöhnte der Versammlungsleiter, und ein Bauer von der Luxemburger Grenze rückte die Gewichte entschlossen zurecht: „Als praktizierender Landwirt muß ich mich im Frühjahr oder Herbst entscheiden, was ich säen will. Wenn ich nicht säe, kann ich nicht ernten. Diese Gefahr sehe ich hier, und daß wir uns lächerlich machen.“ Sein Blick trog nicht, denn zumindest dies ist der „Grünen Aktion Zukunft“ (GAZ) des ehemaligen CDU-Mitgliedes und derzeit fraktionslosen Bundestagsabgeordneten Herbert Gruhl während ihres ersten und womöglich auch letzten Bundesparteitages im Würzburger Kolpinghaus am vergangenen Wochenende in der Tat gründlich gelungen.

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen: Bei den Landtagswahlen in Hamburg und Niedersachsen konnten die verschiedenen Ökologie-Listen immerhin 4,5 und 3,9 Prozent der Stimmen für sich sammeln und die Liberalen aus den Landesparlamenten vertreiben. In Hessen und Bayern rutschte die Gruhl-Partei zwar auf 0,9 und 1,8 Prozentpunkte zurück, doch gerade dadurch wurde allen „Grünen“ klar, daß der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde nur gemeinschaftlich angegangen werden kann. Die Europawahl sollte nun zum Prüfstein werden, „ob eines langen Jahres Mühe endlich von Erfolg gekrönt wird“.

Grünes Vereinsgezänk

Ein hohes Ziel hatten sich die Umweltschützer aus Lust und Leidenschaft vor Jahresfrist fürwahr gesetzt: Auf den „Sinn des Lebens“ wollten sie aufmerksam machen, dem „Natur- und Lebensschutz im politisch-parlamentarischen Raum“ Mehrheiten verschaffen und schließlich gar „die Gesetze des Lebens und der Lebenswirklichkeit bestimmen“. Die Umweltschützer, bislang eher dem sauberen Wald und reiner Luft verpflichtet, beschlossen, Politiker zu werden.