Gehört das Thema Verkehrssicherheit in den Spielbereich? Viele Hersteller von Spielen glauben zumindest, daß sich damit Geld verdienen läßt, und sie produzieren deshalb sogenannte Verkehrslernspiele.

Die meisten dieser Spiele sind schlicht unbedarft, andere sogar pädagogisch schädlich. Ein Kind lernt mit Sicherheit nicht das, was es als Rüstzeug im Straßenverkehr braucht, wenn das Spielziel darin besteht, die anderen Spieler durch Parkverbote, umgedrehte Einbahnschilder und eifrig vor die Nase geknallte Stop-Zeichen am Vorwärtskommen zu hindern.

Der Markt ist, wie gesagt, in dieser Spielecke dürftig bestückt. Leider hat auch der ADAC mit seinen Verkehrsspielen nichts Brauchbares anzubieten. So empfinde ich das Trainings- und Spielprogramm des deutschen „Kinder-Verkehrsklubs“ als rechte Wohltat. Dieses Spielpaket ist an Kinder zwischen knapp drei und höchstens vier Jahren adressiert. Beruhigend zu wissen, daß gerade Eltern von Kindern in diesem „Einstiegsalter“ sehr aufgeschlossen sind, Hilfen anzunehmen. Das Neuartige an diesem Spielkonzept ist die Form, in der die einzelnen Abschnitte angeboten werden: Die Eltern schreiben das Kind als Mitglied ein und bekommen dann die acht einzelnen Päckchen über einen Zeitraum verteilt zugeschickt, der sich bis zur Einschulung spannt.

Kinder im Vorschulalter können noch nicht längere Zeit konzentriert an einem vorgegebenen Problem arbeiten. Also läßt man sie spielen. Sie lernen, gezielt zu beobachten, sie werden spielerisch auf Verhaltensweisen im Straßenverkehr programmiert,die lebensrettend sein können;aber immer als Spiel, aus dem eigenen Anschauungs- und Erlebenshorizont gesehen.

Leider hat die Geschichte einen Haken. Das Programm ist nämlich nur so gut, wie der Einsatzwille der Eltern reicht. Die Elternanweisung hat ein Erwachsener je Päckchen in 20 Minuten erfaßt. Doch dann bedarf es ständiger Beschäftigung mit dem Thema, zu Hause und auf der Straße. Die mit guten Vorsätzen gepaarte Erkenntnis, daß Kinder über mehrere Jahre sorgsam und konsequent zu tüchtigen Verkehrsteilnehmern erzogen werden können, damit sie nicht unter die Räder kommen, erstickt leider bei vielen Eltern oft in der Hetze des Alltags.

Der Wirkungsgrad dieses Spielprogramms ließe sich noch deutlich steigern, wenn die einzelnen Halbjahreseinheiten in mehrere kleine Untereinheiten zerlegt werden, damit die Eltern noch öfters einen intensiven Anstoß bekommen, das richtige Verkehrsverhalten „spielerisch“ zu sichern. Tom Werneck

Spiel- und Trainingsprogramm des deutscher Kinder-Verkehrsklubs, Postfach 30 02 99 5300 Bonn 3; 4 Pakete zu je 31,30 DM (Inhalt je 2 Lernspielpäckchen).