Von Heinz Blüth

In dem „perversen“ Teil der Wirtschaft, der nicht Gewinne, sondern Verluste auf seine Fahnen geschrieben hat, da ist er Champion. Denn Jürgen Amann, erfolgreichster Immobilienverkäufer der deutschen Abschreibungsbranche, weiß, worauf es ankommt bei diesem Glittergeschäft: Vertrauen – jedenfalls vorher.

Amanns unentbehrliche Requisiten bei seinen Auftritten vor zahlendem Publikum sind deshalb nicht zufällig: ein Bündel Dunhill-Pfeifen und der – o Wunder! – immer noch nicht abgenützte Doktortitel, den er wie eine Segnung trägt und wie einen Segen tausendfach verteilt. Seine Geldgeber nennt er nicht nur schlicht Kunden, sondern „Dr.-Amann-Kunden“.

Der Zahnarzt in Gummersbach, der Anwalt in Braunschweig und der Steuerberater in Aachen, das sind seine Goldesel: wohlbetucht, aber ohne rechte Ahnung davon, was in der Wirtschaft alles möglich ist. Ihr überzähliges Geld treibt sie und ihre Zeitnot. Die ansteckende Gier nach der Wunderdroge „Steuervorteil“, mit der Amann winkt, verbessert die Sehschärfe der liquiden Spitzenverdiener auch nicht gerade.

Was dann den Ausschlag gibt, ist häufig genug Vertrauen, vorzugsweise von der blinden Sorte: Amanns Betriebskapital. Und davon hat – oder hatte? – der auf den ersten Blick scheu und zurückhaltend wirkende Mittdreißiger reichlich. Er badet gern darin, wie jeder um Seriosität bemühte Unternehmer. Amann: „So hat unsere Unternehmensgruppe in den Jahren 1972 bis 1977 in der Bundesrepublik nicht weniger als 3600 Eigentumswohnungen sowie rund 2200 Einfamilienhäuser errichtet, was in etwa der Einwohnergröße von Freudenstadt im Schwarzwald entspricht.“

Der Freudenstadt-Vergleich des stolzen Steuerakrobaten Amann erscheint indes unpassend, nicht wegen der numerischen Relationen, sondern wegen der fehlenden Freude. Weil sich mehr und mehr „Dr.-Amann-Kunden“ verschaukelt fühlen, treffen andere deutsche Ortschaftsnamen die Stimmung in der Amann-Gemeinde besser: Wutach beispielsweise oder Zorneding,

Viele Bauherren à la Amann, die auf dem Weg über eine oder oft gleich mehrere Eigentumswohnungen aus Steuern Vermögen machen wollten, fühlen heute Grund zum Klagen, weil manches ganz anders lief, als es in den Prospekten stand. Amann hatte da nicht nur „Moderne Eigentumswohnungen in den besten Wohnlagen der Bundesrepublik“, „Wertzuwachs, gute Vermietbarkeit, ausgezeichnete Verkäuflichkeit des Eigentums“ und selbstverständlich „Steuervorteile in Höhe von 170 Prozent“ versprochen, sondern als Clou und kaum zu übertreffendes Verkaufsargument eine „Vermietungs- und Rücknahmegarantie“. Sie entpuppt sich jetzt als Problem Nr. 1 – für die Anleger und für Amann.