Von Hermann Bößenecker

I

Ein Mann wollte nach oben – mit sechzig. Ein Leben lang hatte der Arbeitersohn Hans Glöggler auf seine große Stunde gewartet. Als sie kam, da griff er mit beiden Händen gierig zu – und übernahm sich.

In atemberaubendem Tempo kaufte er mit gepumptem Geld. Textilfirmen auf, die er zu einem Gebilde zusammenfügte, das allzu rasch in den Rang eines „Konzerns“ erhoben wurde. Hans Glögglers „bizarrer Auf- und Abstieg“ (wie er danach selbst formulierte), seine späte Karriere als Konzernherr faszinierte Politiker, Bankiers und Gewerkschafter ebenso, wie sie sein skandalumwitterter Sturz vom schwindelnden Erfolgsgipfel eines Branchenkönigs und sein dramatischer Abgang schockierte.

Es war wie ein Spuk, und als er verflogen war, hätten es eigentlich alle gewußt: Das konnte nicht gutgehen. Aber wer hatte schon die Einsicht, rechtzeitig auszusteigen, die Bremse zu ziehen, wer von Glögglers hochdotierten Managern hatte den Mut, ihm in den Arm zu fallen, sich von ihm kritisch zu distanzieren, gar zu lösen?

Wenn der Allgäuer Unternehmer. Johann Glöggler, der sich – nach dem spektakulären Zusammenbruch seines „Konzerns“: vordrei Jahren – am 4. Juli 1976 nach Kanada abgesetzt hat und heute auch von Interpol nicht aufzufinden ist, nun wieder für Schlagzeilen gut ist, so gibt den äußeren Anlaß dazu der Prozeß ab, der zur Zeit vor dem Landgericht Augsburg stattfindet.