Im Frühsommer 1975 erkannte Glöggler „allmählich“ (wie er später schrieb), daß er Hilfe von außen brauchte. Er wiegte sich in der Illusion, mit einem Überbrückungskredit von fünfzig bis sechzig Millionen Mark wäre seine Gruppe als Ganzes zu retten. Vom bayerischen Wirtschaftsminister Anton Jaumann erhoffte er sich eine Staatsbürgschaft, denn die Banken hatten ihm nun fast alle die Geldhähne abgedreht.

Doch dies war eine Fehlspekulation. Jaumann sperrte sich aus guten Gründen gegen eine auch politisch schwer vertretbare Finanzspritze für den „Spekulanten“ Glöggler. Er war nur bereit, den einzelnen Unternehmen unter die Arme zu greifen, wenn Glöggler mit seiner Entmachtung einverstanden sei.

Doch dieser, dessen Euphorie plötzlich angesichts der ausweglosen Situation Ende 1975 in Verfolgungswahn umschlug, kämpfte zunächst erbittert um die Erhaltung seiner Augsburger Obergesellschaft. Den Arbeitnehmern erschien dies als ein „makabres Schauspiel“. Selbst der Augsburger Bischof meldete sich in der Öffentlichkeit zu Wort.

Banken mußten büßen

Im Münchner. Wirtschaftsministerium denkt man noch heute mit Schaudern an diese „schrecklichen Tage“. Doch Ende Januar 1976 stand das Sanierungskonzept zumindest für die Erba und die AKS, nachdem die Gruppe als Ganzes nicht zu retten war und wieder auseinanderbrach. Nach einer drastischen Herabsetzung des ohnedies verlorenen Kapitals wurden beiden Firmen 70 Millionen Mark neu zugeführt. Die eine Hälfte steuerte die staatliche Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung bei (wobei auch Baden-Württemberg für die Erba einen 15prozentigen Anteil übernahm), die anderen 35 Millionen Mark kamen von den Banken. Zudem mußten sie auf 45 Millionen Mark Forderungen verzichten – und zwei Jahre später noch einmal auf 40 Millionen Mark. Die Bankinstitute (es waren nicht weniger als 38 mit von der Partie, die Jaumann mühsam unter einen Hut bringen mußte) bluteten zu Recht: Denn ihre Rolle beim Aufbau desGlöggler-Konzerns war „alles andere als ein Ruhmesblatt“, wie Thomas Wegschneider, Vorstandssprecher der Bank für Gemeinwirtschaft, heute unumwunden einräumt. Sein Haus hatte allein 120 Millionen Mark in den Glöggler-Firmen stecken, rund 30 Millionen Mark davon müssen wohl als verloren gelten. Wegscheider versichert, daß bei diesem überzogenen Kreditengagement keinerlei ideologische Motive mitgespielt hätten: „Nicht die Spur eines Einflusses von Gewerkschaftsseite.“

Es war ein Fehler, daß die Banken, untereinander im harten Wettbewerb stehend, jede für sich mit Glöggler verhandelten und ihm kein Kreditkonsortium auferlegten. Allzulange ließen sie sich mit dürftigen Zahlen abspeisen und drangen nicht auf eine hieb- und stichfeste Konzernrechnung. Die Bilanzen, die vorgelegt wurden, waren keineswegs astrein, sondern nach recht anfechtbaren Methoden zusammengebastelt. Zudem stellten sie einen Torso dar, da die ausländischen Ableger des Konzerns in Zürich, Luxemburg und Panama ebenso wie Glögglers privater Bereich draußen blieben. Bereits der Kauf der Erba war größtenteils über die hastig gegründete Glöggler Holding AG in der Schweiz finanziert worden.

Die Sanierung der Val. Mehler AG übernahm die Bank für Gemeinwirtschaft zusammen mit der Hessischen Landesbank; beide steuerten zusammen zwölf Millionen Mark bei, und da inzwischen das Kapital erneut zusammengestrichen werden mußte, verlor jedes Institut nochmals 4,5 Millionen Mark.