Hörenswert

George Harrison: "George Harrison". Der Versuch, es Paul McCartney nachzumachen und sich wieder in den "easy listening"-Hitparaden Amerikas zu etablieren, nachdem er mit einer Serie voraufgegangener katastrophal schlechter LPs jede künstlerische Glaubwürdigkeit verloren hatte. Die nostalgisch gestimmten/getrimmten Arrangements erinnern mehr als einmal an "Abbey Road", einige hübsche Ohrwürmer hat er sich tatsächlich einfallen lassen, und daß er nicht der Beatle mit dem höchsten IQ war, kann man auch den neuen Texten kaum übelnehmen. Die Produktion ist so erstklassig wie die Begleitmusiker, und ich muß gestehen, daß mir diese melodischen Popsongs mit ihren differenzierten Stimmungen und den manchmal sentimentalen Untertönen legitimer erscheinen als die oft verlogenen Produkte deutschsprachiger "Liedermacher" mit ihrer "Aussage"-Wut und dem dilettantischen Geklimpere auf Gitarre oder Klavier. Anachronistischer Pop vielleicht, aber schön anachronistisch! (Dark Horse Records DH 56 562)

Franz Schüler

Sinnvoll

"Spiel mit – Blockflöte 1". Etwas Ähnliches existierte früher schon einmal als "Music minus one": Aufnahmen von Stücken, bei denen ein Instrument ausgespart war – ein Streichquartett ohne das Cello, von einer Violinsonate nur die Klavierbegleitung. Sinn des Ganzen: jemandem das Selber-Spielen zu ermöglichen. Hier nun sind Stücke für Sopranflöte und Begleitung, einfache Tanzsätze mit Generalbaß oder im Flötenquartett, auf einer Plattenseite komplett, auf der Rückseite ohne die oberste Flötenstimme aufgenommen. Damit es auch nicht allzu schaurig klingt, wenn der Flötenschüler anschließend mitzublasen versucht, ist auf der Rückseite eingangs eine Endlos-Rille mit einem Stimmton geprägt. Musik machen sei besser als Musik hören – sagte Paul Hindemith. Das war in den dreißiger Jahren – heute ist der Satz wahrer und notwendiger noch als damals. (Deutsche Grammophon 25 36 009)

Heinz Josef Herbort

Ärgerlich