Von Joachim Holtz

Hannover

Bis vor kurzem noch war die junge Ärztin Anita Moser Assistentin von Professor Werner Schindler, Chef der hannoverschen Lungenklinik „Heidehaus“, gewesen. Heute hält er sie für nicht ganz normal.

Die Arbeit in der Klinik lief zunächst gut. Dann, am 10. April 1978, brachte die Post der Heidehaus-Verwaltung einen Brief ohne Absender. Der Anonymus bat die „sehr geehrten Kollegen“, „die Approbation der angeblichen Ärztin Moser“ zu überprüfen. Mit vager Grammatik disqualifizierte der Briefschreiber Anita Mosers Arbeit. „Die von ihr an uns praktizierenden Ärzte gesandten Berichte sind, schlechthin gesagt, ein medizinischer Skandal und zeugt davon, daß nicht einmal das Minimalwissen für das Staatsexamen vorhanden ist... Dann erfuhr ich – das vertraulich – durch eine an mich gerichtete Auskunft, daß Frau Moser überschuldet ist...“ Auch ein Seitenhieb auf ihre österreichische Staatsangehörigkeit fehlte nicht. Das Schmierschreiben wurde an das zuständige Personalamt weitergereicht.