Wer sich einmal im Jahr von den Zwängen des Alltags lösen und – frei wie ein Zigeuner – durch die schönsten Gegenden Europas ziehen möchte, für den ist eine Abenteuerreise mit dem Planwagen wie geschaffen. Bevorzugtes Terrain der Zigeunerwagen-Veranstalter ist Irland; doch selbst in deutschen Landen zuckeln die Pferdewagen jetzt auf den Straßen.

Die Zigeunerwagenstationen von Wolters-Reisen (Postfach 10 01 47, 2800 Bremen) in Irland sind Adare bei Shannon, Carrigmore im County Wicklow und Blarney nordwestlich von Cork. Von hier aus können Großstadtmüde ihren Pferdewagen in alle Himmelsrichtungen lenken; Tourenvorschläge und Kartenmaterial liefert der Veranstalter gleich mit. Eine Woche im Planwagen für zwei Reisende kostet pro Person von 744 Mark an, einschließlich Flug ab Düsseldorf, sowie von 722 Mark an bei Anreise im eigenen Wagen, Überfahrt von Cherbourg nach Rosslare eingeschlossen.

Außer Zigeunerwagenfahrten durch Irland und England können Abenteuerlustige beim Deutschen Reisebüro (Postfach 26 71, 6000 Frankfurt 1) auch durch die bulgarischen „Schluchten des Balkans“ reisen. Im Wagen kann zwar nicht übernachtet werden, aber nach den Tagesetappen von rund dreißig Kilometern wartet, jedesmal ein warmes, weiches Bett auf die „Urlaubszigeuner“. Zur Mittagsrast werden Lagerfeuer entzündet und deftiges Fleisch vom Spieß oder eine kräftige Suppe in der freien Natur genossen. Für die zweiwöchige Fahrt sind pro Person zwischen 1070 und 1190 Mark anzulegen. Enthalten im Preis sind die Flüge, Unterkunft und Vollpension, Rundreise und deutschsprachige Reiseleitung.

Eine Fahrt durch die österreichische Pusztalandschaft des Seewinkels bietet Ameropa-Reisen (Myliusstraße 47, 6000 Frankfurt) an. Für 430 Mark (800 Mark in der Hauptsaison) kann dann in einer „Pusztaschaukel“ sieben Tage lang das Zigeunerleben genossen werden. Im Wagen ist genug Platz für vier Personen, die sich vor der Abfahrt in Neusiedl noch im Umgang mit Pferd und Wagen vertraut machen können.

Huelgoat ist der Ausgangspunkt einer Planwagenfahrt durch die Bretagne, die die ADAC Reise GmbH (Baumgartnerstraße 53, 8000 München 70) offeriert. In den stabilen Wagen können die drei Reisenden nachts auch schlafen, und der solide Holzaufbau soll selbst starken bretonischen Brisen trotzen. Und damit die Reise nicht in einer Sackgasse endet, erhalten die Reiseteilnehmer vor der Abfahrt Vorschläge für mehrere Touren. Eine „Zigeunerwoche“ kostet pro Wagen und Woche zwischen 645 und 870 Mark.

Aber auch durch Deutschland rollen inzwischen Planwagen, zum Beispiel über die Schwäbische Alb. Abseits der Autostraßen geht es mit dem von einem PS gezogenen Wagen ab Gomadingen über die weiten Hochflächen und durch sanfte, einsame Täler. Abends werden die Kutschfahrer und das Pferd in gemütlichen Landgasthöfen schon erwartet und wohl versorgt. Pro Wagen können bis zu vier Personen an der Fahrt teilnehmen. Der Veranstalter Alb-Kutschfahrten (7423 Gomadingen, Tel. [0 73 85] 4 94) erteilt weitere Auskünfte. 722 Mark sind pro Person für Übernachtung Frühstück und Pferdefutter zu zahlen, für den dritten und vierten Mitreisenden kostet es sogar nur noch 150 Mark.

Mit dem Pferdewagen das Allgäu kennenlernen können „Hobbyzigeuner“ von Ende April bis Mitte Oktober. Rund 135 Kilometer sollten während der Sieben-Tage-Tour zurückgelegt werden. Die Nächte werden in Gasthäusern und Pensionen verbracht. Und war noch nie einen Pferdewagen geführt hat, wird vorher – so versichert der Veranstalter Galaxis-Reisen GmbH (Waldfriedhofstraße 87, 8000 München 70) – eingehend in Umgang und Pflege des Haflingers eingewiesen. 420 Mark kostet der Spaß pro Woche, einschließlich Übernachtung mit Frühstück und Futter fürs Pferd; außerdem für alle Fälle – ein kostenloser Pannenservice.

Familien mit kleinen Kindern, so betonen alle Veranstalter, sollten sich diesen Ferienspaß versagen. Die Zigeuner-Touren sind ein strapaziöses Abenteuer, und die Bewegungsfreiheit in den Wagen ist begrenzt. Hella Leißner