Sehenswert

„Blue Collar“ von Paul Schrader, der erste Film des renommierten Filmtheoretikers und erfolgreichen Drehbuchautors („Yakuza“, „Taxi Driver“). Schräder erzählt von drei Automobilarbeitern in Detroit, einem Weißen (Harvey Keitel) and zwei Schwarzen (Richard Pryor, Yaphet Kotto), die den Tresor ihrer eigenen, korrupten Gewerkschaft plündern und sich unversehens in eine Affäre verwickelt sehen, die einige Nummern zu groß für sie ist: Denn auch die Mafia spielt mit. Von den üblichen Hollywood-Thrillern unterscheidet sich Schraders Film durch die Genauigkeit, mit der er das proletarische Milieu beschreibt, die Demütigungen und Aggressionen am Fließband, die kleinen Vergnügungen nach Feierabend. Dennoch ist „Blue Collar“ alles andere als ein Lehrfilm über die amerikanische Gewerkschaftsbewegung. Während bei uns die Regisseure der Berliner Arbeiterfilm-Schule vor lauter Taktieren oft das Geschichtenerzählen vergessen, geht Schrader mit physischer Direktheit, zielstrebiger Härte und Dialogen, in denen es von „motherfucken“ nur so wimmelt, ans Werk. Elia Kazans klassischer Gewerkschaftsfilm „On the Waterfront“ (Die Faust im Nacken) wirkt zahm dagegen. „Blue Collar“, im letzten Herbst beim Pariser Filmfestival preisgekrönt, läuft in den Programmkinos.

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Vorhof zum Paradies“ von Sylvester Stallone, der nach dem K.-o.-Sieg „Rocky“ und der Punktniederlage „F.I.S.T.“ nun mit „Paradise Alley“ (Originaltitel) ein knappes Unentschieden erreicht. Stallone spielt nicht nur eine Hauptrolle: Er schrieb das Drehbuch (nach seinem Roman), führte erstmals selber Regie und singt auch noch den Titelsong. Die Story (drei italo-amerikanische Brüder träumen davon, aus Manhattans Slumviertel „Hell’s Kitchen“ auszubrechen) ist eine „Rocky“-Version unter Ringkämpfern. Sie spielt 1946 – dem Geburtsjahr Stallones, der in demselben Milieu aufwuchs. Die autobiographische Komponente beschränkt sich jedoch auf Stallones Kinophantasien: Kaum ein Klischee aus Hollywoodfilmen der dreißiger und vierziger Jahre wird ausgelassen. Mit ihrer Pseudo-Poesie um Unterprivilegierte erinnert diese Stereotypen-Sammlung mehr an die Depressionsdramen der Warner Brothers als an ein auch nur halbwegs realistisches Porträt der Nachkriegsjahre. Als Darsteller bietet Stallone seine gewohnte Mischung aus bulliger Grobheit und zärtlichen Gefühlen. Nach drei Filmrunden kennt man nun alle Schritte und Schläge dieses zu jähem Starruhm gelangten Kino-Kämpfers. Bleibt zu hoffen, daß er in „Rocky II“ endlich einmal mit einem neuen „punch“ überrascht.

Helmut W. Banz

Töricht