Weltbank-Präsident McNamara nahm seinen jüngsten Besuch in Bonn zum Anlaß, den Industrieländern und insbesondere der Bundesrepublik die Leviten zu lesen; sie seien noch immer weit von dem Versprechen entfernt, jährlich 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts als öffentliche Hilfe, in die Dritte Weit zu transferieren.

Ganz sicher steht Bonn nicht gut da. Die Hilfe hat eher ab- statt zugenommen. Andererseits ist aber die C,7-Prozent-Formel mehr als fragwürdig.

Ein noch so hoher Kapitaltransfer hat keinen Sinn, wenn das Geld versickert oder das Entwicklungsland selbst keine vernünftigen Projekte parat hat. Die alles über einen Kamm scherende Formel sagt auch nichts über die Qualität der Hilfe. Ein guter Experte kann in der Dritten Welt oft besser wirken als zwei schlechte, die obendrein noch teurer sind. Die Formel läßt auch außer acht, daß einige Länder nur liefergebundene Hilfe leisten, andere es dem Nehmerland freistellen, bei wem es seine nötigen Güter kauft.

Nicht Quantität, sondern Qualität ist entscheidend. Mit einer starren Formel ist den diffizilen Problemen der Entwicklungshilfe nicht beizukommen. hff