Von Jes Rau

Im weltpolitischen Terminkalender dieses Monats ist Montag, der 26. März, mit dicker roter Tinte angestrichen. Für diesen Tag ist nämlich in Genf eine große Konferenz der Opec-Ölminister angesetzt. Und dies Treffen könnte sich, so mutmaßte ein Sprecher des US-Energieministeriums, als das wichtigste Ereignis seit der Etablierung des Opec-Kartells erweisen.

Bei der Konferenz geht es – natürlich – um den künftigen Rohölpreis. Noch mehr als vor früheren Preisbeschlüssen herrscht Unsicherheit über das voraussichtliche Resultat der Konferenz; auch in Washington tappt man vollkommen im dunkeln. Denn während sich die US-Regierung früher darauf verlassen konnte, daß der Ölgigant Saudi-Arabien seinen moderierenden Einfluß geltend machen würde, hält man es in Washington nun nicht mehr für ganz ausgeschlossen, daß sich Riad auf die Seite der Preisfalken schlägt.

Nach dem Zusammenbruch des Schah-Regimes, angesichts des Krieges im Jemen und der Konfrontation innerhalb des arabischen Lagers in der Frage der Friedensinitiative von Ägyptens Präsident Sadat sieht die Welt für König Saud und Kronzprinz Fahd verändert aus.

Gut möglich, daß sich die Herrscher Saudi-Arabiens in der Frage des Ölpreises bis heute noch nicht endgültig festgelegt haben. Denn zu vieles ist in Bewegung geraten: Setzen sich etwa im Iran die radikalen Kräfte durch, kann sich das Regime in Saudi-Arabien seine bisherige Ölpolitik wahrscheinlich nicht mehr leisten, wenn es überleben will.

Optimisten im Regierungsapparat Washingtons glauben, daß die Ölminister in Genf in erster Linie das Preiswirrwarr beseitigen wollen, welches dadurch entstanden ist, daß in den vergangenen Wochen einzelne Förderstaaten ihre offiziellen Kontraktpreise um unterschiedliche Beträge hinaufgesetzt haben. Das liefe auf eine zusätzliche Verteuerung des Rohöls um „nur“ 7 bis 15 Prozent hinaus.

In dieser Größenordnung liegt auch der Betrag, von dem in der jüngsten Ausgabe eines in Zypern herausgegebenen Newsletter die Rede ist, den die Saudis in der Vergangenheit oft benutzt haben, um ihre Intentionen zu signalisieren. Demzufolge soll der Preisaufschlag 1,20 Dollar pro Barrel (159 Liter) Rohöl betragen, wodurch sich der Preis bis Ende des Jahres auf 15,75 Dollar erhöhen würde.