Von Hermann Bößenecker

Beide sind sie füreinander nicht die erste Wahl. Aber die in der letzten Woche vereinbarte Mehrheitsübernahme der Büromaschinen- und Computer-Gruppe Triumph-Adler durch das Volkswagenwerk, die nahezu 400 Millionen Mark kosten dürfte, ist zweifellos für alle Beteiligten eine Transaktion mit viel Pfiff.

VW-Chef Toni Schmücker hatte sein Auge im letzten Jahr angesichts der sechs Milliarden Mark flüssiger Mittel in der Wolfsburger Kasse und des langsam abklingenden Autobooms zunächst auf den Maschinenbaukonzern Gutehoffnungshütte (GHH) geworfen. Vor allem die lukrative GHH-Tochter Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) „hätte uns schon gefallen“, räumte Schmücker unumwunden ein, zumal da VW mit ihr zusammen eine Reihe kleinerer Lastwagen von, sechs bis neun Tonnen entwickelt.

Doch einer Hochzeit mit GHH stand auch das Kartellamt im Wege. Ohnedies hatten die GHH-Aktionäre ebenso wie Vorstandsvorsitzender Manfred Lennings rechtzeitig abgeblockt.

Auch bei der Nixdorf Computer AG in Paderborn, bei der Schmücker für die Mehrheit eine halbe Milliarde Mark zahlen wollte, kam der um Diversifikation – in autonahen, aber antizyklisch zur Pkw-Konjunktur laufenden Branchen – bemühte Big Boß aus Wolfsburg nicht zum Zug. Der eigenwillige Heinz Nixdorf wollte das Regiment und die Majorität doch nicht aus der Hand geben; inzwischen hat sich die Deutsche Bank für 200 Millionen Mark zu einem Viertel bei Nixdorf eingekauft.

Für Triumph-Adler ist VW ebenfalls nicht der erste Wunschpartner. Vorstandsvorsitzender Gerd E. Weers, seit zehn Jahren mit viel Fortune auf seinem Nürnberger Stuhl, sucht für die ertragsstarke Firmengruppe seit annähernd vier Jahren wieder deutsche Großaktionäre. Die Triumph Werke Nürnberg AG war Anfang 1969 von Max Grundig zusammen mit ihrer Tochter Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer AG in Frankfurt für etwa 220 Millionen Mark an den amerikanischen Konzern Litton Industries Inc. in Beverly Hills verkauft worden.

Ganz abgesehen von der Zufuhr neuen Kapitals ging es Weers dabei auch darum, den deutschen Charakter der Firmengruppe stärker zu akzentuieren, nicht zuletzt weil er hofft, von der Bonner Förderung der Datenverarbeitung dann mehr als bisher profitieren zu können.