Wenn sie den Toast auf ihr Staatsoberhaupt ausbringen, sagen sie: „Es lebe der Herzog der Normandie – unsere Königin!“ Und weil der Normannenkönig Wilhelm II. Anno 1066 England erobert hat, konstatieren sie heute noch: „Wir gehören nicht zu England, im Gegenteil, England gehört zu uns.“ Die insgesamt 126 000 Bewohner von Jersey, Guernsey, Alderney, Sark und den anderen neun Kanalinseln hegen ihren Geschichtsstolz und pflegen allerhand aus der Historie gewachsene Besonderheiten. So kommt, zum Beispiel, ihre Politik ohne politische Parteien aus, untersteht man unmittelbar der Krone, gibt es keine Erbschaft- und keine Vermögensteuer, ist der Einkommensteuerhöchstsatz auf zwanzig Prozent begrenzt und wird dem Versuch von Fremden, sich dort als Steuerflüchtling einzunisten, doch ein Riegel vorgeschoben. Die 1,5 Millionen Besucher, die jährlich die Inseln betreten, reisen auch wieder ab. Es sind Touristen, von denen immer mehr freilich immer wiederkommen. Für sie, aber auch für jeden, der schöne Reisen am liebsten im Lesesessel unternimmt, ist jetzt das, erste Buch in deutscher Sprache über die Eilande im Windschatten europäischer Turbulenz erschienen:

Harald Eggert: „Kanalinseln“, Hans Christians Druckerei und Verlag, Hamburg 1979; 136 S., 99 farbige Abb., 49,80 Mark

Harald Eggert, ein Hamburger Architekt und Kanalinsel-Fan, hat keine Eloge verfaßt, keinen billigen Liebhaberlobgesang. Er läßt die Tatsachen sprechen. In seiner Detailfülle, die auch Kuriosa nicht übersieht und doch nicht ausufert, enthält das Buch alles Wichtige und zudem alles Interessante. Die Genauigkeit des Textes versandet nie in Langeweile. Die Bilder sind ebenso einladend wie informativ, Und obwohl der Leser mehr erfährt, als der Besucher in vielen Ferienwochen erkunden könnte, verlockt dieses Buch erst recht zum Aufbruch zu jenen Inseln, wo neben dem „English way of life“ die französische Küche steht.

Übrigens, Jersey hat 800 Hotels und Gasthäuser, Guernsey 600, Alderney sieben, Sark fünf Hotels nebst Privatunterkünften. Das Netz der Fähren und Fluglinien ist dicht gespannt. Das Klima ist mild; auch im Sommer steigt die Temperatur selten über 24 Grad Celsius. Und Queenstreet auf Jersey, in St. Hellier, gilt als die billigste Einkaufsstraße der zivilisierten Welt.

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