Die Presse hat international Notiz von einer Sendereihe des niederländischen Fernsehens genommen, die sich „Sonjas-Gute-Nachrichten-Show“ nennt und aus einem Theater in Amsterdam via Hilversum verbreitet wird. Diese Veranstaltung, die in Sonja Barend ihren weiblichen „Talkmaster“ gefunden hat, ist sehr beliebt, obwohl es dabei nach allgemeiner Ansicht „nicht die dicken Hunde sind, die bellen“. Aber viele kleine Hunde machen auch Gebell.

Menschen, welche sogenannte „große Zeiten“ mitgemacht haben, werden sich erinnern, daß sie sich nach „kleinen Zeiten“ sehnten. Diese machten nicht soviel her, waren aber bedeutend weniger gefährlich. Allerdings standen sie bisher im Geruch, etwas langweilig zu sein. Diese Meinung mag sich jetzt geändert haben. Fest steht zunächst, daß vornehmlich kleine Nachrichten die Eigenschaften haben, gute Nachrichten zu sein.

„Allerdings“, sagte Sonja, die Meisterin des schmalen Talks, in einem Interview mit einem Vertreter des Reuter-Büros, die meisten Nachrichten, wie sie durch die Medien verbreitet würden, seien schlecht, weil sie von Krieg und Todesangst, Verfolgung und Elend, Natur- und menschlichen Katastrophen handelten. Gegenüber der Fülle solchen Angebotes sei die gute Nachricht nicht leicht zu erkennen: Gänseblümchen im Dickicht von Unkraut.

In der Tat, wer sich mit den Medien je ernsthaft beschäftigt hat, womit diesmal keine okkulten Hilfspersonen wie Hellseher oder Tischrücken gemeint sind, sondern Zeitungen, Funk- und Fernsehanstalten, der weiß, daß es viel leichter ist, schlechte Nachrichten zu verbreiten als gute. Wie es auch einfacher ist, einen Film, eine Fernsehsendung oder auch einfach einen Menschen zu tadeln und zu vernichten als zu loben und zu fördern. Nach unserer persönlichen Erfahrung benötigt die gerechte Lobpreisung beispielsweise eines Buches doppelt soviel Arbeit und Zeit wie ein glorioser Verriß: bei diesem fliegen einen die Argumente nur so zu, man fühlt sich viel klüger als man ist, und über andere hoch erhaben, und das noch in aller Bescheidenheit.

Beispiele wie dies; lassen vermuten, daß man in den Medien die Pflege der guten Nachrichten am besten solchen Mitarbeitern anvertraut, die fest angestellt sind und daher nicht so unter Zeitdruck und unter dem Druck stehen, geistvoll oder böse oder sensationslüstern zu sein wie de freien Mitarbeiter. Nun, Frau Sonja von „Sonjas-Gute-Nachrichten-Show“ ist fest angestellt. Sie hat Zeit und Muße, sich ausschließlich mit guten Nachrichten zu umgeben.

Was sie dabei entdeckte, muß die Hersteller von Sensationsblättern ins Herz treffen: Nicht nur sehen von 14 Millionen Holländern vier Millionen sich Sonjas Show an, sondern viele wirken dabei mit, indem sie zur guten Berichterstattung beitragen. Dabei geht es, wie vorauszusehen war (ach ja, die kleinen Zeiten!), um lauter Bagatellen. Kind an Masern erkrankt: gesund geworden. Mann durchgebrannt: wiedergekommen. Am Treppenabsatz gestrauchelt, die Stufen heruntergeprasselt: unten heil angelangt. Vater Flugzeug verpaßt: als einziger Ferienreisender überlebt. Gelangweilt zum Geburtstag der Urgroßmutter gegangen: einen knackigen Vetter dritten Grades kennengelernt. Und was solche Glücksfälle mehr sind. Das Publikum teilt sie gern mit. Sonja sagt: Postkarte genügt.

Früher stiftete man Votiv-Täfelchen in solchen Fällen und brachte sie dankbar in der Kirche beim Marienaltar oder in einer heiligen Nische an; jetzt wendet man sich aktiv an Frau Sonja und hört und sieht sich passiv auch solche Fälle an. Aus Leidensgenossen werden Glücksgenossen. Und das interessiert millionenfach.

Kleinigkeiten? Nicht manchmal liegt’s an Kleinigkeiten, sondern immer!