Berlin: „Interfaces“

Zwei unterschiedliche Temperamente, der Brite Richard Hamilton und der Düsseldorfer Dieter Roth, entschlössen sich 1977 zu einer artistischen Doppelaktion; und was damals als spaßhaftes Experiment begann, wurde nach zwei Jahren zu einer dreißigteiligen Serie höchst anspruchsvoller Kunstwerke. Zunächst wollten Hamilton & Roth sich nur gegenseitig porträtieren; so entstanden Konterfeis, die den Partner mal nur schemenhaft in Umrissen, mal ironisch collagiert „abbilden“, ihn zuweilen auch gänzlich im Abstrakten verschwinden lassen. Dann beschloß das Duo, diese künstlerischen Doppelporträts im Photo zu wiederholen, vor der Kamera nachzustellen. Die dritte Phase war dann nur konsequent, man übermalte die Photos. Beide Künstler haben in der Vergangenheit bekanntlich verwandte Unternehmungen durchexerziert, Roth mit Arnulf Rainer und Hamilton an Hand eines Photos, das Bacon von ihm machte. Im Unterschied zu jenen frühen Arbeiten blieben hier jedoch die drei Phasen des ästhetischen Prozesses erhalten; sie werden synchron in Form eines aufklappbaren Flügelaltars präsentiert, um dort eine Synthese einzugehen. Je nach Klappstellung des Triptychons ergeben sich nun diverse Kombinationsmöglichkeiten der Gesichter von Hamilton & Roth, sie geraten in eine spannende Interaktion und werden so zu „Interfaces“; zugleich ergeben sich bei den unterschiedlich kombinierten drei Kunst- und Realitätsebenen raffinierte Rückkoppelungseffekte – ein komplexer ästhetischer Vorgang, der sich scheinbar spielerisch gibt. Die List der künstlerischen Vernunft hat nämlich das Verhältnis von Realität und Kunst verkehrt. Das Photo ist nicht Abbildung der Wirklichkeit, sondern Wiedergabe von Kunst, und auf der dritten Stufe wird es wiederum Basis für malerische Manipulationen. (Galerie René Block, bis 13. April.) Daghild Bartels

Wichtige Ausstellungen

Aachen: „Kunst heute in der Deutschen Demokratischen Republik“ (Neue Galerie bis 18. März, Katalog 12 Mark)

Berlin: „Jean Ipousteguy“ (Kunsthalle bis 5. April, Katalog 20 Mark)

Berlin: „Gerhard Marcks – Plastiken, Zeichnungen, Graphik“ (Galerie Nierendorf bis 15. Mai, Katalog 9 Mark)

Bielefeld: „Zeichnungen und Collagen des Kubismus – Picasso, Braque, Gris“ (Kunsthalle bis 29. April, Katalog 35 Mark, didaktische Broschüren 9 Mark)