Es ist weder amüsant, spritzig oder spannend geschrieben, noch schön anzusehen. Kurzum, es ist eines dieser staubtrockenen wissenschaftlichen Bücher, die eigentlich nur für Studenten verfaßt werden; als Bettlektüre höchstens für unermüdliche Sprachwissenschaftler geeignet. Dennoch ist es erwähnenswert, denn es beschäftigt sich mit einem Thema, das eigentlich alle Urlauber betrifft: mit der Sprache der Reisekataloge. Das ursprünglich als Dissertation über eine „Sonderform der Gegenwartssprache“, nämlich die des Tourismus, von Anna Putschögl-Wild verfaßte Opus der Reihe Europäische Hochschulschriften, stammt von einer Kennerin der Branche. Für ihre Sprachanalyse wählte sie zehn der wichtigsten Veranstalter-Kataloge, darunter die von Neckermann und Reisen, Scharnow, Touropa und vom ADAC.

Was Anna Putschögl-Wild aus den Katalogen herausfand, ist beachtlich. Gegliedert in eine systematische, nach Syntax und Semantik geordnete Darstellung, stellt sie ganz gut bloß, in welche Welt die Urlauber sprachlich gelullt werden; Platzsparende Zusammensetzungen, wie „Parfümstadt“ oder „Bilderbuchdorf“, stehen neben Bandwurmwörtern, wie „Mineralsole-Bewegungsbad“ und Adjektiv-Neuschöpfungen wie „palmengesäumt“, „walzengepflegt“ oder „eisgekrönt“. Eine „phantastische“ Sammlung über die der Märchen und Sagenwelt entlehnten Worte folgt, die nichts Bestimmtes, in den meisten Fällen freilich etwas diffus Angenehmes aussagen. Solche „wundervollen“, „zauberhaften“ und „märchenhaften“ Angelegenheiten stellt sie genauso heraus wie die beliebten Stereotypen: „dampfende Regenwälder“, „liebliche Bergdörfer“ und „saftige Wiesen“.

Was die Texter solcher Kataloge bezwecken sollen, ist hinlänglich bekannt. Über den Erfolg ihrer Bemühungen weiß man weit weniger. Anna Putschögl-Wild beschreibt dazu kurz das Ergebnis eines Testes, dessen Teilnehmern die Frage gestellt worden, war: „Gibt es ein bestimmtes Wort oder einen bestimmten Ausdruck aus dem Reiseprospekt, den Sie sich besonders gemerkt haben? Beispiel: ‚Tessin, Sonnenerker der Schweiz‘.“

Von 98 Befragten erinnerte sich nur einer an einen solchen Ausdruck, alle anderen hatten entweder vergessen, was die Texter ihnen über Landschaft oder Stadt suggerieren wollten, oder es nur unbewußt registriert. Über eines waren sich dagegen fast alle einig: daß Reiseveranstalter in ihrer Sprache übertreiben. Und das, obwohl ihnen auch schon bekannt war, daß bei den Veranstaltern neuerdings „Ehrlichkeit“ Trumpf sein soll. G. F.

Anna Monika Putschögl-Wild: „Untersuchungen zur Sprache im Fremdenverkehr, durchgeführt an den Ferienkatalogen einiger deutscher Touristikunternehmen“, Europäische Hochschulschriften, Reihe I, Bd./Vol. 236, Verlag Peter Lang, Frankfurt, 1978,95 sfr.