Die „Schneekatastrophe“ im Januar und Februar hat auch die Fremden-Verkehrsstatistik in Mitleidenschaft gezogen: Als der Starnberger Stadienkreis für Tourismus auf der am Sonntag zu Ende gegangenen Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin die Ergebnisse seiner „Reiseanalyse 1978“ vorlegte, mußte er auf tausend Befragungsergebnisse aus ländlichen Gebieten von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein verzichten. Doch die verbleibenden 5000 Fragebögen liefern auch noch ein eindeutiges Hochrechnungsbild: Es haben noch nie so viele Deutsche eine Urlaubsreise gemacht, es sind wiederum mehr ins Ausland gefahren als zuvor und es haben wiederum mehr Deutsche als in den Vorjahren ihren Urlaubsort per Flugzeug angesteuert.

Wenn auch mehr Deutsche jenseits der Grenzen ihr Ferienglück suchten als im eigenen Lande (etwa 58:40 Prozent), so kann sich Bayern dennoch als der statistische Gewinner des letzten Jahres betrachten. Erstmals konnten die weißblauen Urlaubsorte den österreichischen Konkurrenten die Spitzenposition unter den Erholungslandschaften streitig machen, obwohl auch das südliche Nachbarland einen Besucherzuwachs verzeichnen konnte. 3,6 Millionen deutsche Urlauber (13,8 Prozent) blieben im Freistaat, 3,4 Millionen reisten in die Alpenrepublik (12,9 Prozent). In der Skala des letzten Jahres folgen dann Italien (2,7 Millionen), Spanien (2,6 Millionen), Baden-Württemberg (1,9 Millionen), Schleswig-Holstein (1,6 Millionen), Frankreich (1,3 Millionen), Jugoslawien (1,2 Millionen) und Niedersachsen (1,1 Millionen). Alle anderen Gebiete blieben, der Starnberger Rechnung zufolge, deutlich unter der Millionengrenze.

Diese Zahlen summieren sich zu einem neuen Rekordwert: 26,1 Millionen Deutsche verreisten im letzten Jahr, eine runde Million mehr als im bisherigen Rekordjahr 1975. Die „Weltmeister im Reisen“, wie die Deutschen international genannt werden, sind ihrem Ruf gerecht geworden.

Das beliebteste Transportmittel für die Ferienreise ist – unentwegt seit Jahren – das Auto: 15,7 Millionen Deutsche rollten auf den eigenen vier Rädern, fast eine Million mehr als im Vorjahr. Daß dennoch Autofahrer statistische Prozentpunkte abgeben mußten, liegt am Nachrücken geburtenstarker Jahrgänge in die Kategorie „erwachsene Reisende“. Dieser Wert ging um gut einen auf rund 60 Prozent zurück. Den zweiten Rang hält in dieser Statistik wie gewohnt die Bahn. Sie mußte allerdings Verluste verbuchen, von 4,4 Millionen auf 4,2 Millionen Reisende und von einem 17,9-Prozent-Anteil auf 16,1 Prozent.

Dafür konnten die Flieger wieder mehr Passagiere mit deutschem Paß begrüßen. Nach 3,2 Millionen im Vorjahr gingen 1978 3,5 Millionen in die Luft. Letzteres entspricht einem Prozentanteil von 13,5 am „Reisekuchen“.

Die Befragung des Studienkreises lieferte der Touristikbranche auch eine interessante Beobachtung: Mehr Deutsche als im Vorjahr entschlossen sich bereits zum Jahresanfang, im Verlauf des Jahres auf Reisen zu gehen, 22 Millionen Bürger, rund 48 Prozent aller potentiellen Urlauber. Aber auch die Zahl derer, die nicht auf Ferienreise gehen können oder wollen, hat sich erhöht, von 15,2 Millionen auf 17,2 Millionen. Weit mehr als jeder Dritte in der Reiseweltmeisternation bleibt also reiseabstinent.

Axel Thomas