Von Klaus-Peter Schmid

Die Erklärung von Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing war kurz und bündig: „Auf Grund der politischen Einigung über den Abbau der Ausgleichszahlungen, die zwischen den acht am Europäischen Währungssystem beteiligten Ländern zustandegekommen ist, hebt Frankreich seine Einwände auf und wird seinen Partnern das Inkrafttreten des EWS von der kommenden Woche an vorschlagen.“

Giscards Wort vor versammelter Regierungsmannschaft verhallte nicht ungehört: Eine Woche später war das als Glanzstück europäischer Solidarität gefeierte System bereits wirksam. Dabei hatte mancher geglaubt, die Franzosen nutzten das Gerangel um den Grenzausgleich lediglich als Vorwand, um das EWS ohne Aufsehen von der Tagesordnung zu bringen. Schließlich vertraten in Paris durchaus ernst zu nehmende Leute die Ansicht, der Franc sei einem europäischen Währungsabenteuer gar nicht gewachsen, könne also nur Schaden nehmen.

Solche Bedenken kommen nicht von ungefähr. Der Franc zählt nämlich nur mit großen Einschränkungen zu den harten Währungen, auf denen sich ein europäischer Währungsblock aufbauen läßt. Und wenn die Franzosen an die Erfahrungen denken, die sie mit der Währungsschlange machten, werden ihre Ängste nicht zerstreut. Im Gegenteil: Trotz bester Vorsätze und heiliger Schwüre konnte sich der Franc im Verbund der stabileren Nachbarwährungen nie lange halten.

Die erste bittere Erfahrung machte Paris im Januar 1974, zu einer Zeit, als die Franzosen für eine Mark 1,76 Francs bezahlen mußten. Trotz Devisenkontrollen und gespaltenem Wechselkurs war es nicht gelungen, der Spekulation zu trotzen und die Schlangenparität zu halten. Die Banque de France mußte massive Stützungskäufe vornehmen. Einen deutschen Milliardenkredit lehnte der damalige Staatschef Georges Pompidou stolz ab. Schließlich wurde der Franc zum Floaten freigegeben, was bis dahin als währungspolitische Todsünde gegolten hatte.

Daß der Franc damit im Wert sinken würde, war klar – und auch willkommen. Denn Paris brauchte den billigen Wechselkurs, um leichter exportieren, zu können. Anfang Mai 1974 kostete die Mark bereits zwei Francs. Doch ein Jahr später ging es plötzlich wieder bergauf, und Frankreich verhielt sich so am Devisenmarkt, als ob es sich der Euro-Schlange wieder angeschlossen hätte.

Im Mai 1975 wurde das „Als-ob“ dann zur Realität. Doch schon zehn Monate später mußte Giscard seinen europäischen Eifer teuer bezahlen. Die Wirtschaftskrise deckte die schwachen Punkte der französischen Wirtschaft erbarmungslos auf: Inflation, Außenhandelsdefizit, Arbeitslosigkeit. Zudem geriet der Franc in den Abwertungssog von englischem Pfund und italienischer Lira. Im März 1976 war es dann wieder so weit: Der Franc wurde aus der Schlange genommen, sein Kurs freigegeben – in Richtung Abwertung.