Mit einem „für die Hotellerie der achtziger Jahre wegweisenden Tarifsystem“ will die Schweizer Restaurationskette „Mövenpick“ zwei ihrer Holiday-Inn-Hotels in der Nähe Zürichs, die den Gastronomie-Konzern vor ein paar Jahren fast ruiniert hätten, wieder auslasten. Auch Einzelreisende, die bislang den vollen Tarif berappen mußten, sollen in den Genuß günstigerer Preise kommen.

Voraussetzung dafür ist freilich, daß die Gäste bestimmte Bedingungen erfüllen, die dem Betrieb die Arbeit erleichtern. Reisende, die sich analog dem Apex-Tarif der internationalen Airlines 90 Tage vor ihrem Besuch in Zürich auf das Datum festlegen und bezahlen, erhalten auf den Normalpreis einen Nachlaß von 30 Prozent. Bei sechzig Tagen Vorauszahlung und -buchung sinkt er auf 25 Prozent, und wer sich erst 30 Tage im voraus entschließt und zahlt, kommt immer noch um 20. Prozent günstiger als bei einer kurzfristigen Buchung weg. Einziger „Schönheitsfehler“ des Vorauszahlungstarifs: Mit Ausnahme der frequenzschwachen Monate November bis Februar und Juli/August, wo wegen der Ferienzeit zahlreiche sonst von Geschäftsleuten bevölkerte Zürcher Herbergsketten brachliegen, gilt der Spezialtarif nur von Freitag bis Sonntag.

Auch kurzentschlossene Touristen wollen die Mövenpick-Herbergsväter, soweit die eigenen Betten nicht voll ausgelastet sind, der Konkurrenz mit einem „standby-Tarif“ abspenstig machen. Reisende, die in einem der beiden Hotels nach 22 Uhr auf gut Glück nach einem freien Zimmer fragen, finden auf ihrer Rechnung am nächsten Tag einen gegenüber dem Normaltarif um 15 Prozent reduzierten Betrag vor. Beim check-in nach 23 und 24 Uhr steigt der Rabatt nochmals um je 10 Prozentpunkte. Langschläfer haben von vornherein das Nachsehen, denn die stand-by-Zimmer müssen bis 9 Uhr wieder geräumt sein. Verschlafen wird als Ausrede nicht akzeptiert, ist doch jedes Zimmer aus Rationalisierungsgründen mit einer Weckuhr ausgestattet. Frühaufsteher, die das Zimmer bis 7 Uhr räumen, dürfen sich dafür nochmals fünf zusätzliche Prozentpunkte an Rabatt ziehen lassen.

Die Herbergsväter der beiden Hotels in Regensdorf und Opfikon glauben, daß ihre Rechnung aufgeht und die Auslastung um rund drei Prozent steigen wird. Nicht zuletzt auch, die weil schränkenden Bedingungen, an die die Sondertarife gekoppelt sind, zudem dazu beitragen, Verwaltung und Zimmerpflege rationeller zu gestalten. Außerdem treten bei Inanspruchnahme der Sondertarife auch keine von der Branche gefürchteten „no shows“ auf, jene Reisenden, die kurzfristig reservieren, aber nie im Hotel erscheinen. Alexander Mayr