Die EG muß den Chinesen entgegenkommen, um ihre Industrieexporte nicht zu gefährden

Ich kann mir keinen besseren Partner für die Europäische Gemeinschaft und andere Industrieländer vorstellen als China, das dem Rest der Welt so viel zu geben hat...“ Mit so überschwenglichen Worten grüßte der Präsident der Brüsseler EG-Kommission, Roy Jenkins, seine chinesischen Gastgeber.

Doch in der Angelegenheit, die die chinesische Führung bei der Entwicklung der Handelsbeziehungen mit der Europäischen Gemeinschaft derzeit am meisten interessiert, dem Abschluß eines Textilhandelsabkommens, hatte der China-Reisende Jenkins nichts Konkretes zu bieten.

Bereits im Dezember waren die Chinesen, die im April des vergangenen Jahres mit der EG ein Handelsabkommen unterzeichnet hatten, in Brüssel vorstellig geworden, um sich vertraglich Absatzchancen für ihre Textilproduktion auf dem Gemeinsamen Markt zu sichern. Die Vorstellung der Chinesen: Statt der 21 000 Tonnen, davon 11 000 Tonnen Baumwollgewebe, die ihnen von Brüssel für das Jahr 1979 als Einfuhrquote eingeräumt wurden, soll die Gemeinschaft in den kommenden Jahren die Abnahme von jährlich 60 000 Tonnen, davon 30 000 Tonnen Baumwollgewebe, garantieren.

Wie die EG innerhalb kurzer Zeit ihre Textileinfuhren aus der Volksrepublik verdreifachen konnte, ohne der europäischen Textilindustrie, um die vor zwei Jahren ein Schutzzaun gezogen wurde, in Schwierigkeiten zu stürzen, darüber gehen in Brüssel die Meinungen weit auseinander. Einige Mitgliedsstaaten, darunter Frankreich und Großbritannien, haben sich in den vorbereitenden Kontakten für die europäisch-chinesischen Textilhandelsgespräche besonders zurückhaltend gezeigt.

Auch die Industrie selbst, kein Wunder, ist gegen ein allzu großes Entgegenkommen gegenüber den chinesischen Wünschen. Der Gesamtverband der Textilindustrie in der Bundesrepublik warnte sogleich davor, die Belastbarkeit des Marktes mit chinesischen Textilien zu erproben, und wies auf die Gefahr hin, daß weitgehende Konzessionen an Peking das mühsam gefundene Gleichgewicht im Welttextilhandel zerstören müßten – mit „unübersehbaren Folgen für Unternehmen und Arbeitsplätze“.

Grundlage der Textilhandelspolitik der Gemeinschaft sind die sogenannten globalen Einfuhrplafonds für bestimmte Textilerzeugnisse, die die EG gegenüber den Niedrigpreisländern jeweils in Quoten aufgeteilt hat. Diese Länder haben sich in Brüssel fast alle zur Selbstbeschränkung in Höhe der ihnen zugestandenen Einfuhrmengen verpflichtet. Die Einhaltung dieses Rahmens soll für die europäische Textilindustrie die Basis für die notwendige Umstrukturierung von der Produktion billiger Massenware auf die Herstellung feinerer Gewebe sein.