VonCarl-Christian Kaiser

Mainz‚ im März

Machte der wie von einem unermüdlichen Uhrwerk angetriebene Elan nicht ohnehin das Naturell Bernhard Vogels aus, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident könnte sich den Wählern nun erst recht mit Energie und Optimismus präsentieren: unmittelbar vor dem Stimmengang am kommenden Sonntag verspürt er wieder Rückenwind. Die so gut wie perfekt geglückte Probeeinschwörung der christlichdemokratischen Wahlmänner auf den Präsidentenkandidaten Karl Carstens, die fürs erste verstummte Diskussion über den Oppositionsführer Helmut Kohl, der zum Fernsehhelden von Holland hochstilisiert wird, anderseits die neue Erkrankung Hans-Dietrich Genschers, auch die Scheidung des Ehepaars Brandt – das alles präpariert die Schlußgerade in der Wahlkampfarena für einen Endspurt, der die CDU wieder als sicheren Ersten durchs Ziel gehen zu lassen verspricht.

Der Umschlag teilt sich Vogel augenblicklich mit. Mochte er vorher etwas verbissen und angestrengt um den Erhalt der absoluten Mehrheit für die CDU in Rheinland-Pfalz gekämpft haben, so steht ihm jetzt die Mischung aus Staatsperson und großen Jungen wieder mühelos zu Gebote. Daß diese Mischung außerordentlich gutankommt, ist überhaupt nicht zu verkennen.

Den Winzern in Kallstadt oder der Hausfrauenversammlung in Frankenthal sieht man sofort an, wie gern sie sich von der schier unerschöpflichen Aufgeräumtheit ihres Landesherrn gefangen nehmen lassen und wie sehr sie ihm aufs Wort glauben, wenn er versichert, das Amt des-Ministerpräsidenten mache ihm so viel Spaß, daß er es gern noch weiter betreiben wolle. Offenkundig wirkt dieses Geständnis mehr als alle-Argumente. Daß jemand an etwas. Spaß hat, macht zumal auf die Pfälzer, die keine Kinder von Traurigkeit sind, alleweil Eindruck.

Daß Vogel dieses so viel Freude vermittelnde Amt auch weiter gewiß sein werde, darüber bestand nie ein ernsthafter Zweifel. Schließlich zählt Rheinland-Pfalz zu den Stammlanden der Union. Aber es liegt eben auch näher zu Bonn, und Kohl als andere Regionen. Deshalb schlugen, die endlosen Querelen um die Galionsfigur der CDU so sehr zu Buche, daß nicht nur Randwähler der Union,, sondern auch Stammkunden wankelmütig zu werden drohten. Besorgt registrierte man in der Mainzer Staatskanzlei, daß manche dazu neigten, der CDU durch Wahlenthaltung einen kleinen Denkzettel zu verpassen. Noch Ende Februar war die demoskopische Kurve der Union von 54 auf unter 50 Prozent gerutscht, während sich der Anteil der Unentschlossenen von 12 auf 22 Prozent erhöht hatte.

Auf der anderen Seite fiel es nicht leicht, der Stimmung zu begegnen, daß es die CDU ja sowieso wieder schaffen würde. So verschieden die Gründe dafür gewesen wären, die mangelnde Mobilisierung und Motivierung der eigenen Anhänger hätte zu einem gefährlichen Handikap werden können. Es wurde auch in der letzten Woche des Wahlkampfes noch als nicht gering eingeschätzt. So kommt es, daß die Union auch einen Wahlkampf um ihre eigenen Wähler führt. Wenn sich Vogel zu dem Satz versteigt, es gehe „letzten Endes nicht um eine Partei, sondern um unser Land Rheinland-Pfalz“, dann schwingt auch die Sorge vor jenem Handikap mit.