In der sechsten Woche dreht sich Italiens Regierungskrisen-Karussell wider Erwarten und gegen alle protokollarische Gewohnheit noch immer.

Nach dem Scheitern des Republikaners La Malfa beauftragte der Staatspräsident wiederum den amtierenden Regierungschef Andreotti, diesmal zusammen mit La Malfa und dem Sozialdemokraten Saragat (als Vizepremiers), ein neues Kabinett zu bilden. Zweite Überraschung: Andreotti nahm den Auftrag ohne den üblichen „Vorbehalt“ an, hat also Mitte dieser Woche scheinbar unbeirrt mit der Zusammenstellung einer Ministerliste begonnen, die er dem Parlament zur Abstimmung präsentieren will – mit kaum einem Strohhalm Hoffnung, eine Mehrheit zu finden.

Ein bloßes Spiel? Die Aussicht, die Kommunisten dafür zu gewinnen; war am 9. März vollends geschwunden, als KP-Chef Berlinguer nach einem Gespräch mit Andreotti deutlich machte, daß zu seinen Bedingungen nicht nur Ministerposten für „unabhängige Linke“ gehörten, sondern Mitbestimmung bei der ganzen Kabinettsliste sowie ein formeller Koalitionsvertrag. Es war klar, daß die Christdemokraten sich darauf nicht einlassen konnten. Wie Ironie wirkte es gleichwohl, als Berlinguer sie mit dem Hinweis „tröstete“, Parlamentsmehrheiten seien auch ohne Kommunisten möglich.

Dabei wußte Berlinguer genau, daß jetzt nur noch die Craxi-Sozialisten eine Regierung aus Christdemokraten, Republikanern und Sozialdemokraten über Wasser halten könnten – und sei es durch Stimmenthaltung. Aber Craxi könnte das kaum wagen, ohne den Rest seiner „Autonomie“-Illusion zu begraben. Wozu dann überhaupt Andreottis umständliche Operation? Er, der Christdemokrat, wird so das Land in die Neuwahlen führen – nach links offen, doch ohne Kommunisten.