In vielen Leserbriefen wurde – aus rein juristischen Erwägungen – die „Rechtmäßigkeit“ der Kurtaxe angezweifelt. Die umstrittene Gebühr ist jedoch höchstens aus moralischen oder wirtschaftlichen Überlegungen heraus anfechtbar – im Gesetz ist ihre Daseinsberechtigung fest verankert. Dennoch kann sich der Gast auf einheitliche Richtlinien bei der Einziehung dieser „Geldleistungspflicht“ nicht verlassen. Es gilt zwar allerorten, daß die Kurtax-Einkünfte nur „zweckgebunden“ ausgegeben werden dürfen; über die Höhe, Erhebungsdauer, Ermäßigungen oder eventuelle „Kurtax-Befreiung“ bestimmter Gruppen aber befinden die Satzungen der verschiedenen Gemeinden – wie es jeweils gefällt. So ist es zum Beispiel möglich, daß der eine Kurort mal die Ehefrau „unbesteuert“ läßt oder – wie sich aus Konkurrenzgründen immer mehr einbürgert – Kongresse, Tagungen und Seminare von der Kurtax-Pflicht ausgenommen sind. Dies mag den Normal-Urlauber verstimmen, gesetzeswidrig aber ist es nicht.

„Die Kurabgabe“, so heißt es im Kommunalabgabegesetz des Landes Schleswig-Holstein, „wird von allen Personen erhoben, die sich im Erhebungsgebiet aufhalten, ohne dort ihren gewöhnlichen Aufenthalt zu haben (ortsfremd) und denen die Möglichkeit zur Benutzung von öffentlichen Einrichtungen oder Teilnahme an Veranstaltungen geboten wird. Als ortsfremd gilt auch, wer im Erhebungsgebiet Eigentümer oder Besitzer einer Wohnungseinheit ist, wenn und soweit er sie überwiegend zu Erholungszwecken benutzt.“

Allein die Möglichkeit, im Haus des Gastes fernsehen oder im Kurmittelhaus gebadet werden zu dürfen, ist also bereits kurtax-würdig. Bei Teilnehmern von Tagungen, Kongressen und Lehrgängen sieht das bei vielen Gemeinden allerdings schon wieder ganz, anders aus. Diese sind nämlich von der Kurtaxe entweder ganz oder immerhin die ersten drei Tage des Aufenthaltes (zwei Übernachtungen) von der Kurtaxe freigestellt, „soweit sie die Einrichtungen nicht in Anspruch nehmen“ (zitiert aus den Satzungen von Heiligenhafen und Scharbeutz).

Bleibt die Frage, warum Eintritt, zum Beispiel fürs Wellenbad, für Kurtax-Zahler überhaupt erhoben werden darf und die, sogenannte Kurkarten-Ermäßigung dabei so’wenig zu Buche schlägt. Auch dazu macht das Kommunalabgabegesetz des Landes Schleswig-Holstein eine klare Aussage: „Das Recht zur Erhebung von Gebühren für die Benutzung besonderer öffentlicher Einrichtungen oder allgemein zugänglicher Veranstaltungen wird durch die Erhebung einer Kurabgabe nicht berührt.“

Die Kurtaxe selbst beruht in Schleswig-Holstein auf Paragraph 10 des Kommunalabgabegesetzes. Danach kann für „die Herstellung, Verwaltung und Unterhaltung der zu Kur- und Erholungszwecken bereitgestellten öffentlichen Einrichtungen eine Kurabgabe“ erhoben werden.

Grundsätzliche rechtliche Bedenken gegen die gesetzliche Ermächtigung zu ihrer Erhebung bestehen nicht. Auch das Bundesverwaltungsgericht hat in einer Entscheidung vom 21. 6. 1976 keine Zweifel an ihrer Rechtmäßigkeit geäußert.