Der „Fall Schaden“: Wie ein Forscher fertiggemacht wird

Von Gottfried Hilscher

Was die Presse im Jahr 1973 noch als Erfindung des Jahrhunderts feierte, war angeblich nur ein großer Bluff: die Züchtung von Mikroorganismen, die Kunststoffe im Müll abbauen. Als vermeintliche Betrüger wurden der Österreicher Herbert Schaden und seine Mitarbeiterin und Gefährtin Hertha Celta identifiziert, die in Wien die „Internationale Forschungsgesellschaft für Geomikrobiologie und Bodenhygiene“ leiten. Als Geschädigte sehen sich die holländische „Royal Packaging Industries van Leer BV“ und die „Develco Ges.m.b.H. & Co KG“ in Linz. Geschädigt wurde aber auch der Ruf der Wissenschaftspublizistik, die – einer Dokumentation des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung zufolge – kritiklos die Aussagen der beiden Forscher, die im übrigen gar keine seien, verbreitet habe.

18 Monate Untersuchungshaft für Herbert Schaden, davon drei Monate Zwangsaufenthalt in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt, sowie sechseinhalb Monate Haft für Hertha Celta scheinen die ministeriellen Vorwürfe zu bestätigen, und in Österreich hat man sich denn auch über den „Fall Schaden“ wieder beruhigt. Auf der Strecke geblieben sind zwei private Forscher, denen ihr Können vor dem Fall immerhin öffentliche Aufträge und die Anerkennung vieler Fachleute in aller Welt eingebracht hatte.

Zwangsweise in die Psychiatrie

Als ich Herbert Schaden in seinem Labor besuchte, das es angeblich gar nicht gibt, begegnete ich einem zerschundenen Menschen. Von den Folgen der Haft und einem Multiple-Sklerose-Schub, den er am dritten Verhandlungstag im April 1978 erlitt und der das Gerichtsverfahren bis heute scheitern ließ, hatte er sich nicht wieder erholt. Nach dem gerichtsmedizinischen Gutachten befand der Staatsanwalt, daß Schaden ein „geistig abnormer Rechtsbrecher“ sei und ließ ihn zwangsweise psychiatrieren, wie man das in Österreich nennt. Seit seiner vorläufigen Freilassung Ende Juli, 1978 hat der Staatsanwalt erneut die zwangsweise Psychiatrierung beantragt. Letzten Freitag wurde Schaden erneut verhaftet.

Herbert Schaden konnte sich bisher, nur mühsam gehend, auf Abruf der Pflege seiner noch übriggebliebenen rund 1500 Bakterienstämme widmen. Ein paar Schilling brachte Hertha Celta nach Hause, die sie, gerichtlich zu einer „sozialversicherungspflichtigen Arbeit“ gezwungen, als Telephonistin verdiente.