Die Zahl der Naturfreunde in den letzten Jahren stetig gestiegen. Sie freuen sich an der möglichst unberührten Schönheit der Landschaft, botanisieren in Wald und Flur nach seltenen Pflanzen, spüren mit Lupe oder Feldstecher kleinen und großen Tieren nach, sammeln gar Schmetterlinge und Käfer oder klopfen die Berge nach Mineralien und Versteinerungen ab. Und sie sind reiselustig, wobei die Reiseziele nach den Möglichkeiten ausgesucht werden, die sie fürs Hobby bieten.

Die gängigen Reiseführer, auf solch spezielle Wünsche nicht eingerichtet, beraten sie dabei nur äußerst spärlich. Naturschönheiten sind meist nur kurz erwähnt, und so obskure Dinge wie Halden von aufgelassenen Bergwerken (wo man Mineralien finden kann) fehlen überhaupt. Hier schließt die Reihe der „Reiseführer für Naturfreunde“, die der Stuttgarter Kosmos-Verlag seit herausgibt, eine Lücke.

Inzwischen sind schon über 30 Bände erschienen. Im Taschenbuchformat, auf je etwa 70 Seiten mit 120 Farbphotos sowie Übersichtskarten und erläuterndem Text, führen sie den Naturfreund in die Geheimnisse und Eigenheiten noch unberührter Landschaften ein und zeigen ihm die verborgenen Stellen, wo Pflanzen und Tiere noch in ihrer natürlichen Umgebung und ungestört zu beobachten sind. Zudem sind sie mit 8,80 Mark pro Stück recht billig, auf gutem Papier gedruckt und dank der guten Photos sehr ansprechend. Nur die Bindung hält der Benutzung auf Reisen nicht lange stand.

Nebenbei zeigen diese Bücher, wie reich unsere Natur noch an Schönheiten ist, man muß sie nur zu finden wissen. Ein typisches Beispiel dafür ist der Band über die Schwäbische Alb. Sie bietet dem Naturfreund etliche „Sehenswürdigkeiten“.

Das liegt zum großen Teil an der geologischen Struktur als Karstgebiet. All die typischen Erscheinungen wie Höhlen, Einsturzkrater, versickernde Flüsse und gigantische Quellen sind hier zu finden. Die großartigen Tropfsteine und Sinterkaskaden, die kilometerlangen unterirdischen Gänge, die ausgestellten Knochenreste und Werkzeuge der Urmenschen ziehen Jahr für Jahr Tausende von Besuchern in die Bärenhöhle, die Nebelhöhle, die Wimsener Höhle und wie sie alle heißen.

Die Albhochfläche ist außerordentlich trocken, das in den Gesteinsklüften schnell versickernde Wasser tritt am Albrand etwa im strahlend blauen „Blautopf“ bei Blaubeuren oder im „Aachtopf“, der größten Quelle Deutschlands, wieder zutage. Erloschene Vulkanschlote und zwei riesige Meteorkrater, das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken, sorgen für geologische Abwechslung im Albgebiet. Das Gestein der Alb ist Kalk, der sich im Erdmittelalter, in der Jurazeit, aus einem ganz Süddeutschland bedeckenden Flachmeer abgeschieden hat. Er hat viele versteinerte Reste der damaligen Pflanzen und Tierwelt aufbewahrt. Auch die heutige Flora und Fauna birgt Besonderes: Seltene Orchideen wachsen auf der Alb, und durchs Donautal ruft seit kurzem wieder der Uhu.

Am besten lernt man die Alb kennen, wenn man sich, geleitet vom Kosmos-Führer, auf der Schwäbischen Albstraße – sie trägt die Charakterpflanze der Alb, die Silberdistel, als Zeichen – von Ort zu Ort bewegt, als Autofahrer oder als Wanderer. Man lernt Schloß Lichtenstein und die Hohenzollernburg kennen, die Ruine Reußenstein am Steilabfall der Alb, fährt zwischen Wacholderbüschen auf der Hochfläche und entlang gewundener Bäche in den Tälern. Aber viel wichtiger als alle Burgruinen sind dem Naturfreund wohl die Fundstätten bei Nusplingen im Bärental, die ähnliche Versteinerungen wie der berühmte Solnhofener Schiefer liefern, oder die geschützte Stelle bei Hechingen, wo noch der gelbe Enzian wächst.