Das Kulturniveau kann nicht erhöht werden, wenn es nicht verbreitert wird. Im Smog der Medien, der die Sicht auf die wirkliche Lage nimmt, ihr Gedächtnis auslöscht, ihre Phantasie steril macht, geht auch in dem Land, aus dem ich komme, den Massen die Verbreiterung auf Kosten des Niveaus. Im „Reich der Notwendigkeit“ sind Realismus und Volkstümlichkeit zwei Dinge. Der Riß geht durch den Autor.

Heiner Müller in einem Vortrag „Der Schrecken, die erste Erscheinung des Neuen“, über „Postmodernisums“ in New York, gedruckt im „Theater heute“, 3/1979.

Medizin nur für Klassenbeste

34 500 Studienberechtigte haben sich zum Sommersemester dieses Jahres für die Numerusclausus-Fächer Biologie, Haushalts- und Ernährungswissenschaft, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Tiermedizin, Zahnmedizin und Sport beworben. Aber nur 6900 wurden zugelassen. Diese Zahlen veröffentlichte die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund. Nach wie vor können nur Musterschüler Medizin studieren. Je nachdem, in welchem Bundesland der Bewerber sein Abitur bestanden hat, braucht zum Beispiel ein Bretter Schüler für Zahnmedizin mindestens einen Notendurchschnitt von 1,5; sein Altersgenosse in Schleswig-Holstein schafft die Zulassung noch mit 2,1. Ein hessischer Abiturient muß für Medizin die Durchschnittsnote von 1,5 vorlegen, der aus Schleswig-Holstein hat es mit 2,3 leichter, das begehrte Fach zu studieren. Die von Land zu Land unterschiedlichen Zulassungsnoten werden nach einem komplizierten System berechnet, bei dem die Einwohnerzahl, die Gesamtzahl der Abiturienten und die Anzahl der Bewerber für das jeweilige Numerus-clausus-Fach eine Rolle spielen.

Der Kampf des Leo Hurwitz

Er hat immer fern von Hollywood gearbeitet, gegen die Kinokonzerne und ihre mangelnde Bereitschaft, sich auf die Probleme der amerikanischen Gesellschaft einzulassen. Leo T. Hurwitz, hierzulande fast unbekannt, war einer der wichtigsten amerikanischen Dokumentarfilm-Regisseure der dreißiger und vierziger Jahre („China Strikes Back“), später einer der Pioniere des amerikanischen Fernsehens. Sein einziger Spielfilm, „Native Land“, gehört zu den wenigen Beispielen marxistisch geprägten Kinos in den USA. Diesem Mann, der die sozialkritische amerikanische Dokumentarfilm-Bewegung der Roosevelt–Ära entscheidend beeinflußte, hat jetzt die Zeitschrift „Filmkritik“ ein Sonderheft gewidmet: mit ausführlichen Materialien von und über Hurwitz, einem Interview und Dokumenten zum zeitgeschichtlichen Hintergrund. Zu beziehen ist das von Wolf-Eckart Bühler edierte Heft („Leo T. Hurwitz – Marxistische Filmproduktion in Amerika, 1931–1942“) über den Verlag Filmkritik, München 2, Kreittmayrstr. 3. Es kostet 5,50 Mark.