Wie eine langweilige Pflichtübung begann der Wahlkampf in Berlin und Rheinland-Pfalz, jetzt gewinnt er plötzlich Spannung, Dramatik Nicht, daß es den Wahlkämpfern gelungen wäre, gewaltige Emotionen zu entfachen. Nur das Ergebnis zählt, aber es ist bedrohlich nahe gerückt. Und, wie so oft, liegen Niederlage und Sieg nur ein paar Zehntelprozente auseinander.

Bliebe die FDP in Berlin unter der Fünfprozentgrenze – und dort erinnert die Wählerstruktur der Liberalen fatal an Hamburg –, könnte es passieren, daß Richard von Weizsäcker Regierender Bürgermeister würde: eine symbolträchtige Veränderung der politischen Landschaft, schwer zu verkraften für die Koalition und besonders für die FDP. Die Freien Demokraten sind im übrigen auch nicht sicher, ob ihnen in Mainz die Rückkehr ins Parlament gelingt.

Bliebe hingegen die CDU im bisherigen, leicht rückläufigen Trend und die sozial-liberale Koalition in Berlin hielte die Stellung, dann wäre die Opposition, die wieder Tritt zu fassen schien, abermals in Not. Der Zweifel, ob sie in der gegenwärtigen Formation erfolgreich sein kann, fräße sich noch tiefer ein. Passiert aber nichts Ungewöhnliches, wie schon in Bayern und Hessen – die nächste Wahl, in Schleswig-Holstein, steht vor der Tür. Es kann weitergezittert werden. -el