Was hatte Alvar Aalto eigentlich nicht gekonnt? Er war Tischler und Stadtplaner, Designer, Maler und Bildhauer, vor allem war er ein Architekt; in diesem Beruf waren alle seine beruflichen Leidenschaften, seine Begabungen und Interessen versammelt. Noch der soeben erschienene dritte Band, mit dem die Dokumentierung seiner Arbeiten nun abgeschlossen ist, zeigt die Vielfalt dieses originellen, gleichermaßen traditions- und gegenwartsbewußten Werks: Villen, Mietshäuser und Wohnsiedlungen, Büro-, Lager- und Rathäuser, Bahnhöfe und Sportbauten, Wassertürme, Kirchen, Museen, Bibliotheken, Theater und Polizeipräsidien, städtebauliche Entwürfe, Sessel und Lampen. Nicht alles davon kam in dieses Buch, weil es erst in den letzten Jahren vor Aaltos Tod 1976 oder kurz danach vollendet worden ist, sondern weil der Architekt sich zu Lebzeiten „aus nicht immer durchschaubaren Gründen“ gegen die Veröffentlichung einiger Arbeiten gesperrt hatte, ohne die aber das Gesamtwerk unvollständig geblieben wäre. „Er möge uns verzeihen“, bitten der Herausgeber Karl Fleig und Aaltos Witwe Elissa, die ihm bei dieser Arbeit zur Hand gegangen ist. Sie haben gut daran getan, auch das wenige Geschriebene dieses nicht sonderlich redseligen Mannes zu drucken, drei kleine bedenkenswerte Artikel und ein Interview; dazu darf man noch einen flüchtigen Blick ins Familienalbum tun. („Alvar Aalto“, Projekte und letzte Bauten, Band 3 der Gesamtausgabe, herausgegeben von Karl Fleig, deutsch, französisch, englisch; Verlag für Architektur Artemis, Zürich, 1978; 240 S., etwa 450 Abb., 85,– DM.) Diese letzte Akte des großen Architekten wird gerade illustriert durch eine Ausstellung seines Werks, die bisher in Helsinki, London und Amsterdam zu sehen war und nun, vom 18. März bis zum 22. April, im Folkwangmuseum Essen gezeigt wird.

Manfred Sack