ARD, an Montagen vom 26. März bis 23. April, 20.15 Uhr: "King" –, Amerikanische Fernsehserie in fünf Teilen von Abby Mann

Helden-Werck, Megalographia, cuvrage heroique, ist ein Gemälde von Schlacht ten oder großen Geschichten, besonders wenn die Personen in Lebensgröße oder drüber vorgestellt sind", belehrte im 18. Jahrhundert ein deutsches Universal-Lexicon seine – von kurzlebigen Helden fürwahr verwöhnten – Leser.

Und wechselten seither auch die Definitionen Von Heldentum, von symbolischen und organisatorischen Führern, von Charisma-Trägern im gleichen Maße, in dem sich politische "mente eroica" vermischte mit Pop-Heroismus – was ein rechtes Heldengemälde ist, hat dennoch niemand vergessen. Seine moderne Form wurde von dem Franzosen David erfunden; er malte Napoleon beim Marsch über die Alpen auf einem Araberhengst, obwohl jeder wußte, daß Napoleon damals einen Esel ritt.

David verstand sein Publikum. Das 1. Programm der ARD auch? Am 26. März stellt es zwischen 20.15 und 21.15 Uhr (prime time = Heldenzeit) den ersten Teil eines in den USA erworbenen Prachtschinkens vor, der Leben und Tod des Negerführers (so die Programm-Ankündigung) Martin Luther King nach Art von "Roots" und "Holocaust" heroisch schildert: ein mythenfroher Verschnitt von Tatsachen, Photodokumenten und Erfundenem. (King zu seiner Freundin Coretta, nachdem sie ihren Berufswunsch – Konzertsängerin – gestanden hat: "Na so was, das ist ja großartig.") Wir sind dabei.

Die 1977 mit Paul Winfield und Cicely Tyson in den Hauptrollen gedrehte Serie in fünf Folgen (Buch und Regie: Abby Mann) hat es leichter als seinerzeit "Roots". "King" kann auf Original-Erinnerungen und -Photographien, auf Film- und Tondokumente des Rassismus in Amerikas Südstaaten zurückgreifen. Geschildert wird – nach einem süßlichen ersten Teil, der Liebhabern von Chevrolets der fünfziger Jahre am meisten gefallen mag – Kings rhetorischer und organisatorischer Kampf um die Bürgerrechte der Schwarzen in Alabama und Mississippi. Er dauerte zwölf Jahre; über 120mal wurde King festgenommen; eine Frau stach ihn 1958 in Harlem nieder, eine Bombe explodierte in seinem Wohnzimmer und schließlich wurde er am 4. April 1968 in Memphis, Tennessee ermordet.

Wer die sonore Stimme Kings im Original gehört, seine messianische Präsenz erlebt und wer gesehen hat, daß dieser Prophet der Integration die Wogen von rassistisch verhetztem white trash der Südstaaten wie Moses zu teilen verstand, muß sich nun mit einem doppelt gefilterten King der Serie zufriedengeben: Synchronisation macht hölzern, was Paul Winfield in verblüffender Ähnlichkeit mit dem Original nachahmt – den Tonfall der Erlösung.

Die Serie entwickelt ihr Tempo, wo es gilt, die Konfrontation der Schwarzen mit dem Staat, mit gangsterhafter Polizei und dem FBI-Sicherheitssystem der öffentlichen Ordnung zu schildern. Der reale und symbolische Held der Reaktion, J. Edgar Hoover, entwickelte sich zum Intimfeind Kings. Lyndon B. Johnson hatte Angst vor seinem FBI-Chef und feuerte ihn nicht: "Ich ziehe es vor, Hoover in meinem Zelt von innen nach außen pinkelnd zu sehen, anstatt ihn von außen nach innen pinkelnd zu erleben."