Junge Leute über den Religionsunterricht

Der Religionsunterricht fristet an vielen Schulen ein Stiefmütterchendasein. Entweder gibt es zuwenig Religionslehrer, oder dieses Fach wird nicht ernstgenommen. Wen wundert es, daß viele Jugendliche der Kirche oder Gott ablehnend oder gleichgültig gegenüberstehen? Hier hättte die religiöse Erziehung die schwierige Aufgabe, ohne einseitige Parteinahme zugunsten einer Konfession ehrliche Werte und Ziele verständlich zu machen und den Jugendlichen somit später eine selbständige Entscheidung für oder gegen den Glauben zu ermöglichen. Kai-Uwe Kleffel, 17 Jahre

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Gerade in der Oberstufe ist Religion ein Fach wie jedes andere auch, in dem bestimmte Themenkomplexe behandelt werden, die sich mit den immer aktuellen Problemen der Kirche und des Glaubens wie Eschatologie, Ekklesiologie oder der Frage nach Gott befassen. Dies geschieht, indem zumeist theoretische Texte analysiert und kritisch hinterfragt werden. Positiv an dieser Arbeitsweise ist die Tatsache, daß der Schüler durch die Vermittlung von faktischem Wissen einen Einblick in die christliche Lehre erhält, was ihm hilft, größere Zusammenhänge zu verstehen, auch die Bibel. Negativ aber ist zu vermerken, daß diese Art des Arbeitens dem Fach nicht gerecht wird. Denn gerade der Religionsunterricht behandelt viele Probleme, von denen jeder Mensch betroffen ist, so daß vermutlich die Frage auftreten wird: „Wie muß ich mich eigentlich in gewissen Situationen als Christ verhalten?“ – So könnte dieser Unterricht Anregungen für das Alltagsleben des Christen geben, statt nur in hochgeistiger Form Probleme zu erörtern, die den einzelnen Menschen nicht direkt betreffen. Man sollte nicht nur über den Frieden in der Welt diskutieren, sondern ganz konkret fragen: Wie steht es eigentlich mit unserem eigenen friedlichen Zusammenleben in der Familie oder innerhalb der Klasse?“

Ingrid Lübke, 18 Jahre

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Der Religionsunterricht wird nicht zensiert, und die Teilnahme ist freiwillig. Mir wäre es lieber, wenn er genauso gehandhabt würde wie die übrigen Fächer, vorausgesetzt, daß der Unterricht auf aktuelle und zeitgerechte Weise abläuft. Dem traditionellen Religionsunterricht kann der Interessierte ja in der Kirche beiwohnen, denn in der Schule ist dieser emotionale Unterricht nicht angebracht. Themen wie der Paragraph 218 oder Euthanasie wären beispielswase für den Religionsunterricht (geeignet. Bibelzitate und Psalmen sollten nur freiwillig gelernt werden. Frank Wagener, 18 Jahre