Franz Josef Strauß schrieb vor 10 Jahren im Vorwort: „Dieses Buch ist ein Aufschrei.“ Und Jean-Jacques Servan-Schreiber schloß eben dieses Buch mit dem pathetischen Satz: „Wenn wir auch mitten in der Tragödie stehen, ihr Ausgang ist noch nicht geschrieben. Deshalb ist es auch kein Buch der Geschichte, sondern, mit ein bißchen Glück, ein Buch der Tat.“

Was war so tragisch, vor zehn Jahren? Warum sah sich Servan-Schreiber genötigt, „Die Amerikanische Herausforderung“ mit seinem Aufschrei Zu begleiten?

Ein paar Zahlen: Amerikas Konzerne hatten bis 1965 fast zwanzig Milliarden Mark in die EWG-Länder investiert, davon fast die Hälfte in die Bundesrepublik. Über 2000 Firmen hatten sie, seit Gründung der EWG 1958, in Europa übernommen oder aufgebaut. Sie hatten sich konsequent die Wachstumsbranchen ausgesucht: Mineralölverarbeitung, Nahrungsmittelindustrie, Stahl- und Maschinenbau, Chemie. Sie hatten die Vorteile des Gemeinsamen Marktes schneller erkannt als die, die darin zu Hause waren, und steuerten ihre Beteiligungen zentral – zumeist von Paris aus oder von London.

Allein in der Bundesrepublik hielten die Amerikaner 1965 mehr als 1100 Firmen, die zwölf Milliarden Mark umsetzten, mehr als drei Prozent des damaligen Bruttosozialprodukts. Zwei von fünf Autos (Ford und Opel), jede dritte Zigarette, dreißig Prozent des Mineralölmarktes waren amerikanisch.

In der Bundesrepublik verstand sich unter anderem die Deutsche Bank als Aufpasser gegen die Überfremdung. In Frankreich war dies naturgemäß General de Gaulle.

Sie alle hatten Servan-Schreiber gründlich mißverstanden. Sie wollten Besitzstand sichern. Und gerade das mißfiel dem französischen Journalisten und Politiker. Er wollte nicht die Amerikaner anprangern, sondern die europäische Lethargie. Er wollte die geistige Renaissance Europas, der „Wiege der Kultur“, die „Umwandlung der tief verkalkten europäischen Gesellschaftssysteme“.

1980, so meinte er, könne es vielleicht schon zu spät sein. Könnte die drittstärkste Industriemacht hinter den USA und der UdSSR das amerikanische Europa-Engagement sein. Die Japaner hatte Servan-Schreiber nicht auf seiner Rechnung.